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Künstliche Intelligenz Deep Learning, KI in der Praxis, Turing-Tests

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Alt 12.03.2016, 13:01   #1
basti_79
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Beiträge: 9.151
Standard Fefes AI-FUD

Vielleicht habt ihr es mitbekommen: derzeit führt in einem Go-Duell zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ein Computer. Go ist ein japanisches Brettspiel, das als äußerst schwer "für Computer" gilt. Die Regeln machen es sehr schwer, alle denkbaren Stellungen durchzurechnen. Das liegt erst einmal an der Anzahl dieser Stellungen, da fängt die Skala beim sehr kleinen Dame an, Schach ist schon ziemlich schwer, und Go utopisch.

Demzufolge ist die realisierte Lösung auch kein konventioneller "Suchalgorithmus", der eine Anzahl von Zügen ausprobiert, diese bewertet und dann einen davon auswählt. Das System (Marke Google, übrigens) ist ein "neuronales Netz", ein Versuch, die Funktionsweise von menschlichen Gehirnen nachzubauen.

Anscheinend ist dieser Versuch aufgegangen: die "künstliche Intelligenz" macht legale Züge, die keiner "versteht", die aber trotzdem dazu führen, dass sie gewinnt. Das ist ein zu erwartendes Ergebnis, wenn man ehrlich ist. Als hilfreiches Gedankenexperiment kann man sich vorstellen, dass irgendjemand wortwörtlich sein ganzes Leben lang Go gespielt hat. Vermutlich könnte der dann auch Dinge, die normale Go-Spieler nicht können.

Fefe klappt nun seine Paranoia auf. Man könne ja gar nicht wissen, was da noch passieren könnte mit der AI. Ganz gefährlich. Am drolligsten finde ich das hier:

Zitat:
Man stelle sich mal vor, überlegene KI wird sagen wir mal im Gesundheitssystem eingesetzt, tut 15 mysteriöse Schritte und heilt damit Patienten. Und hat dann Nebenwirkungen, und wir verstehen gar nicht die Herleitung.
Das ist meiner Meinung nach der Normalzustand in der Medizin und auch bei allen anderen komplizierten Dingen - Ingenieurstechnik, IT und so. Man kann niemals alles Überblicken, sondern muss, wie man sagt, defensiv arbeiten.

Heutzutage sind in der Medizin schon sogenannte "Expertensysteme" in Gebrauch, die die geradezu groteske Menge an verfügbaren Informationen deutlich besser verarbeiten können, als jeder Mensch das könnte. Das klingt zwar irgendwie überheblich, aber es ist tatsächlich so, dass kein einzelner Mensch alles wissen kann. Hier in Marburg gibt es ein Diagnosezentrum für seltene Krankheiten - schlicht und einfach, weil es so viele davon gibt, und so viele Leute unter einer davon leiden, dass es sich "lohnt" (nicht unbedingt im Sinne "Geld"), dafür eine besondere Stelle einzurichten.

KI hat das Potential, Menschen zu übertreffen. Das sieht man hier - an einem Beispiel - sehr deutlich. Die Gefahren, die daraus entstehen, können kaum größer sein als diejenigen, die Menschen ohnehin verursachen.

Fefe scheint das zu bemerken:

Zitat:
Und das übelste an dem Gedankengang: Wir haben diese Art von Problem jetzt schon, ganz ohne KI. Völlig ohne Not.

Wir sind halt doof, so als Spezies.

Warum er jetzt nicht die Runde macht und sagt, dass KI wahrscheinlich auch solche Probleme überwinden kann und eines Tages wird, verstehe ich nicht. Vermutlich steckt dahinter so eine Art Kontrollsucht. Das ist von Programmierern und überhaut IT-Leuten geläufig. Das große Versprechen der Ingenieurstechnik, im weiteren Sinne der IT, ist ja, die (unübersichtliche oder schwierige) Realität zu manipulieren, uns Menschen zugänglich zu machen.


Ein Werkzeug oder auch eine kompliziertere Maschine, meinetwegen ein Flugzeug, ist erst einmal ein Hilfsmittel für unsere Körper, eine Prothese, die uns hilft, Dinge zu tun, die wir ohne nicht könnten. Ein Computer ist in diesem Sinne eine Prothese für den Geist, ein Hilfsmittel der Informationsverarbeitung. Alles unethische, was jemals geschehen ist, war das Werk von Menschen.



Die Frage wäre, ob eine KI unethisch handeln kann. Da bin ich mir sogar sicher, ebenso sicher wie bei der Tatsache, dass Menschen unethisch handeln können. Es wäre also nötig, eine KI - bei hinreichender Komplexität, von der man noch sehr weit entfernt ist - wenigstens genauso zu behandeln wie einen Menschen.


Da es schon heute ernste Schwierigkeiten dabei gibt, als Mensch seine Menschenrechte in Anspruch zu nehmen, kann man sich ausmalen, wie es wird, wenn es denn die erste "harte" KI gibt. Eine grausame Geschichte von Anthropozentrismus und Diskriminierung wird das werden. Sonst nichts.

Aber bis dahin wird es viel zu lachen geben. Und vielleicht ändert sich ja doch noch etwas wesentliches, bis es so weit ist.


https://blog.fefe.de/?ts=a81d2712
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