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Alt 09.10.2014, 16:58   #1
basti_79
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Standard Entzündung und Neurogenese

Schon lange schwirren mir zwei Gedanken im Kopf herum, die ich verbinden möchte. Einerseits geht es um Entzündungen, andererseits um Neurogenese.

Entzündungen sind ein anscheinend zentrales Phänomen der Physiologie aller höheren Tiere. Ohne Lügen zu müssen, kann ich sagen, dass so gut wie jedes Metazoon (ausser vielleicht die Randfälle der urigsten aller Tierchen) eine Entzündungreaktion beherrscht und dass diese sicherlich, wo vorhanden, zum Leben sogar notwendig ist. Nicht nur vor Krankheiten schützt uns dieser Prozess, indem er heizt, die Blutzufuhr verstärkt (womit mehr weiße Blutkörperchen zum Ort der Entzündung vordringen können), damit auch Giftstoffe abtransprotiert und so weiter, bei einigen Krankheiten, wie etwa der "Multiplen Sklerose" (einer Krankheit, die zu schweren Behinderungen und schließlich zum Tode führt) oder vielen Formen von Krebs scheint dieser Vorgang eine wichtige Rolle zu spielen. Wer Entzündungen versteht, versteht auch alles mögliche andere.

Neurogenese bedeutet die Neubildung von Nervenzellen, aus denen unsere Gehirne bestehen, und ohne die Wahrnehmung oder Bewegung nicht einmal denkbar wären. Sehr frühe Tiere hatten vermutlich keine davon, und es gibt heute noch Tiere, die völlig ohne Nervensystem überleben. Bei Würmern und anderen niederen Tieren ist das Nervensystem so primitiv, dass man wohl nur von Spuren von Intelligenz überhaupt reden kann. Dass ein Wurm lernen kann, dass er dahin kriechen sollte, wo es nach X "riecht", ist wohl eine Form von Intelligenz, weit entfernt jedoch von der Möglichkeit, symbolische Informationen zu verarbeiten, die Menschen gegeben ist.

Lernen und Veränderung hängen scheinbar mit der Fähigkeit zusammen, neue Nervenzellen zu bilden oder schon vorhandene zu verändern. Diese beiden Formen möchte ich, ganz unspezifisch, unter dem Begriff der Neurogenese zusammenfassen. Da man gelerntes nur verantwortlich einsetzen sollte, ist Lernen an sich schon immer ein politisches Thema gewesen. Wann und wo lernt man was? Gibt es symbolische Informationen, die nicht gelernt gehören, da sie gewissermassen zersetzend wirken? An solchen Fragen arbeiten sich viele Leute ab, diese sollen hier aber gar nicht als wichtig gelten.

Selbstverständlich ist für die Formung neuer Nervenzellen Substanz nötig, teilweise scheinen sogar bestimmte Stoffe unverzichtbar zu sein. Vitamin B12 zum Beispiel scheint ebenso nötig zu sein wie andere Stoffe aus dieser Gruppe (B-Vitamine, Folsäure...). Wenn es einer Mutter während der Schwangerschaft daran mangelt, kann das Kind davon anscheinend deswegen Schäden vom "offenen Rücken" bis hin zur geistigen Behinderung davon tragen.

Auch scheint nach einem "Insult", also nach einem Schaden an den Zellen des Zentralnervensystems, der Körper mit einer Verstärkung der Neurogenese zu reagieren. Dass etwa ein Schlaganfall Krankheiten auslösen kann, die wir als "psychisch" verstehen oder dazu führen kann, dass der Patient Dinge, die er vor dem Schlaganfall konnte, neu lernen muss, ist offensichtlich. Es sollte nicht verwundern, dass der neu entstandene Mangel ausgeglichen wird.

Ich denke, in einem solchen Fall ist die Entzündung zentral. Der Entzündungsvorgang selber verhindert, dass eine noch viel schlimmere Katastrophe eintritt, indem er den Schaden zumindest oberflächlich beseitigt, und irgendwie bewirkt er auch, dass wieder Neurogenese erfolgt. Am Beispiel von Querschnittlähmungen sieht man, wie dieser Versuch danebengehen kann. Eine Querschnittlähmung bedeutet für ein Wirbeltier in der Wildnis den sicheren Tod. Noch niemals hat ein Wirbeltier, das nicht in der Lage war, symbolische Informationen zu verarbeiten, eine Querschnittlähmung lang überlebt. Das hat zur Folge gehabt, dass diese Verletzung viele Millionen Jahre eben Selektion war. Würden Menschen andere Menschen ebenso behandeln, würden wir das als unzivilisiert sehen. Gelähmte sind Realität, ob wir es wollen oder nicht. Wer anders denkt, wird ausgegrenzt, also so schlimm bestraft, wie sich Mitglieder einer Gruppe es nur irgend vorstellen können. Meistens kann niemand etwas dafür, dass jemand anderes gelähmt ist, und es scheint nicht sinnvoll, von gelähmten zu erwarten, dass sie plötzlich wieder laufen könnten.

In der letzten Zeit gab es einige Fortschritte beim Versuch, durchtrennte Nerven zu überbrücken. Auch wenn ich das begrüße, so etwas kann wohl nur unter Laborbedingungen überhaupt auf Dauer funktionieren. Für die Geräte, die das möglich machen, braucht man Elektrizität, sie müssen gewartet werden, möglicherweise muss man den Patienten weiter verletzen, um sie einzusetzen und so weiter. Solche Technik ist für die Querschnittgelähmten nicht der Königsweg, sie würde auch abhängig machen von Bedingungen, die niemand wirklich im Griff hat. Eine Unterbrechung der Sukzession etwa könnte zur Folge haben, dass keine Batterien mehr geliefert werden oder kein Strom. Schon viele Kulturen sind zusammengebrochen. Es ist eben nicht offensichtlich, dass die jetzige ewig sein wird. Genaugenommen mehren sich die Zeichen, dass es so nicht mehr lange weitergehen wird.

Wenn Entzündungen Neurogenese bewirken, dann jedenfalls erst später, also nachdem die primären Probleme (tote Zellen und ihre Reste) beseitigt wurden. An der Forschung aus der Reha mit Schlaganfallpatienten weiß man, dass dieses "später" einen sehr kurzen Zeitraum betrifft. Man munkelt, dass Schlaganfall-Reha am besten wirkt, wenn sie so früh wie möglich und so intensiv wie möglich angewendet wird. Ob das jetzt ein Selektionseffekt ist (Therapeuten erkennen, welche Patienten potential haben und welche nicht) oder nicht, kann ich nicht sagen, weil mir keine Rohdaten zur Verfügung stehen. Sollte tatsächlich die frühe Reha mehr wirken als die spätere, sollte man eine Wirkung von der Methode der Frühreha auf das Ergebnis (also den Gesundheitszustand meinetwegen 12 Monate nach dem Insult) feststellen können, auch, wenn zwischendurch die Methode geändert wurde.

Hätte man den Beweis, dass Entzündungen bei der Neurogenese im Allgemeinen eine wesentliche Rolle spielen, wären viele Phänomene erklärbar. Zum Beispiel werden Lernvorgänge sicherlich Entzündungen bewirken, da sie auch dazu führen müssen, dass Synapsen abgebaut werden. Streß könnte als Überschuß von Lernvorgängen verstanden werden. Es wäre auf einmal erklärbar, warum Menschen Streß vermeiden wollen. Begrenzte Ressourcen eben. Sicher gehe ich hier weit über die allgemein anerkannten Dinge hinaus. Andererseits muss man ja auch mal Hypothesen aufstellen, rein zum Spaß.

Sicher soll man nicht Teleologisch denken, aber in der heutigen Zeit der totalen Zwangsbildung könnte es sich als nützlich erweisen, die dahinterstehenden Phänomene zu erforschen und zu ergründen. Es könnte sich herausstellen, dass die Oberfläche nicht wirklich taugt und dass tiefes Wissen in bestimmten Kontexten verborgen bleiben muss. Mir scheint es schon ohne den anderen Beweis einfach nur Tatsache. Und man hätte dafür sogar eine Erklärung.
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Alt 12.10.2014, 08:15   #2
Torsten Migge
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Dass ein Wurm lernen kann, dass er dahin kriechen sollte, wo es nach X "riecht", ist wohl eine Form von Intelligenz, weit entfernt jedoch von der Möglichkeit, symbolische Informationen zu verarbeiten, die Menschen gegeben ist.
Sorry, basti, ist das nicht eher Instinkt, dass bspw. ein Wurm dahin kriecht, wohin er kriechen sollte?

OK, ob Instinkt etwas mit Intelligenz zu tun hat, darüber ist sich m.W. nicht mal die "Fachwelt" einig: scinexx: Zwischen Instinkt und Intelligenz. Wie klug sind Tiere?


Saludos!
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