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Naher Osten Archäologische Funde & News aus Israel, Jordanien, Irak, Iran...

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Alt 13.07.2012, 04:07   #1
JamesBolivar
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Standard Ägyptens Pyramiden akut gefährdet?

Der Korken scheint aus der Flasche, der (Un)Geist losgelassen:

http://frontpagemag.com/2012/raymond...-the-pyramids/

Islamische Kleriker fordern die Zerstörung vorislamischer Kulturzeugnisse. Nachdem Mohamed Morsi angekündigt haben soll, sich für die Freilassung des in den USA eine lebenslange Freiheitsstrafe verbüssenden Extremisten Sheikh Omar Abdel Rahman einsetzen zu wollen, könnten sich Ägyptens Islamisten ermuntert sehen, weitergehende Forderungen zu stellen, bei deren Nichterfüllung das Land vermutlich zum Schauplatz weiterer und vor allem gewalttätigerer Unruhen würde.

http://www.nytimes.com/2012/06/30/wo...pagewanted=all
http://www.strategic-culture.org/new...ids-begin.html

Der Weg zu Reformen unter einer gemäßigten ägyptischen Regierung unter Mohammed el-Baradei wird wie schon zuvor weiterhin vom US-gestützten ägyptischen Militär blockiert. Das Land ist infolge der Zerschlagung des Nachbarstaates durch die NATO destabilisierenden Kräften aus Nordafrika und der gesamten arabischen Welt ausgesetzt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed_el-Baradei

Ob die ägyptischen Pyramiden diese Verwerfungen überstehen wage ich nicht vorauszusagen. In Timbuktu setzen die von unseren europäischen Nachbarn bewaffneten Islamisten unterdessen die Zerstörung bedeutender Grabmäler fort.

http://derstandard.at/1341844923059/...-Timbuktu-fort

PS Wenns im falschen Unterforum liegen sollte, bitte um Verschiebung und Verständnis, ich bin übermüdet.
PPS Mich interessiert in dem Zusammenhang mehr die Gefährdung von Kulturgütern, weniger die politischen oder religiösen Aspekte.
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Geändert von JamesBolivar (13.07.2012 um 04:14 Uhr).
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Alt 13.07.2012, 10:16   #2
Groschenjunge
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Beiträge: 5.305
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Hi,

Zitat:
Zitat von JamesBolivar Beitrag anzeigen
PPS Mich interessiert in dem Zusammenhang mehr die Gefährdung von Kulturgütern, weniger die politischen oder religiösen Aspekte.
Wie willst du das sinnvoll trennen?

-gj
__________________
"Der frühe Vogel mag vielleicht den Wurm fressen, aber erst die zweite Maus bekommt den Käse." Vince Ebert
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Alt 13.07.2012, 11:51   #3
perfidulo
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Zitat:
Zitat von JamesBolivar Beitrag anzeigen
Ob die ägyptischen Pyramiden diese Verwerfungen überstehen wage ich nicht vorauszusagen. In Timbuktu setzen die von unseren europäischen Nachbarn bewaffneten Islamisten unterdessen die Zerstörung bedeutender Grabmäler fort.
Das ist doch wohl ein kleiner Unterschied.
Ägypten lebt vom Tourismus. Da werden auch die Badeorte am Roten Meer dran glauben müssen. Und die Nilkreuzfahrten sind ohne Tempel und Grabmale auch nicht zu verkaufen.

Wer ist schon nach Timbuktu gefahren?
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Alt 13.07.2012, 12:29   #4
Atlantologe
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Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Wer ist schon nach Timbuktu gefahren?
Ich. Ist aber schon ein Weilchen her. War ein unvergessliches Erlebnis.

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Alt 13.07.2012, 18:18   #5
JamesBolivar
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Zitat:
Zitat von Groschenjunge Beitrag anzeigen
Wie willst du das sinnvoll trennen?
Indem ich mich auf die Frage beschränke, wer derzeit überhaupt solche Forderungen in die Öffentlichkeit trägt, und inwieweit extremistische Organisationen vor Ort ernste Schäden anrichten können oder ob das überhaupt wahrscheinlich ist.

Ich gehe davon aus, daß die Mehrheit in Ägypten solche Ideen eher ablehnt, die gebildetere Mittelschicht sich sicher nicht um ihre Einkünfte bringen will, und die Oberschicht kaum zu den Freunden der Extremisten zählt. Aber gerade deswegen könnten Extremisten in garantiert publikumswirksamen Aktionen ihr Heil sehen. Ägypten war schon früher bisweilen Schauplatz eigentlich sinnloser Gewaltaktionen, die offenbar als Fanal wirken sollten, wie beispielsweise beim Anschlag von Luxor 1997.

Ich weiß nicht, ob Anschläge auf Tempelanlagen, Pyramiden, und andere bedeutende Kulturzeugnisse in Ägypten für dazu entschlossene Grüppchen umsetzbar sind. Eine Signalwirkung hätten sie allemal.
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Alt 13.07.2012, 21:55   #6
MJ01
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Zitat:
Zitat von JamesBolivar Beitrag anzeigen
..., und inwieweit extremistische Organisationen vor Ort ernste Schäden anrichten können oder ob das überhaupt wahrscheinlich ist.
Ich gehe davon aus, daß die Mehrheit in Ägypten solche Ideen eher ablehnt, die gebildetere Mittelschicht sich sicher nicht um ihre Einkünfte bringen will, und die Oberschicht kaum zu den Freunden der Extremisten zählt.
Die gebildete Mittelschicht, vor allem in den Städten sicherlich nicht, da hast Du recht.
Aber aus welchem Grund glaubst Du, dass die Mehrheit der Ägypter islamistisch gewählt hat und die Ideen dieser Gruppe in Ägypten somit mehrheitsfähig sind? Ohne US-geprägtes Militärregime wäre man dort wahrscheinlich schon so weit.

MfG

MJ
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Alt 14.07.2012, 22:21   #7
JamesBolivar
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Ich glaube, das Spektrum der in den Wahlen zum Ausdruck kommenden Haltungen und Motive ist sehr breit. Da kommen soziale Spannungen zum Ausdruck, die vor antiamerikanische und antiisraelische Positionen begünstigen und in der Idee der Umma eine Art Äquivalent der kommunistischen Internationale sehen, die aufgrund ihrer religiösen Bindung nicht durch wirtschaftliche Aspekte korrumpiert wird.

Deswegen meine ich, daß die Bevölkerungsmehrheit eher nicht der Idee zuneigt, beispielsweise die Pyramiden zu sprengen. Dass in Ägypten aufgrund der räumlichen Nähe zu den Ereignissen und Betroffenen die israelische Politik besonders kritisch wahrgenommen wird, was jeder Bewegung Zulauf bringt, die Israel als Zielscheibe der Agression anbietet, ist ja nicht neu. Der Krieg gegen Libyen dürfte dazu noch beigetragen haben. Für viele Ägypter entfiel damit eine Option, ihrer Armut zu entkommen.

Dass sich die Oberschicht bereicherte und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes versäumte, rächt sich jetzt. Die wird an ihren Pfründen festhalten, und die Bevölkerung wird bürgerlichen Parteien kein Vertrauen entgegenbringen, weil jeder Blick in die Verhältnisse andernorts zeigt, daß denen auch nicht zu vertrauen ist.

Man interpertiert in Europa völlig falsch, was dier Leute wollen. Das ist nämlich nicht politische Partizipation sondern wirtschaftliche, zu deren Durchsetzung sie angefangen haben, sich politisch zu bewegen. Politische Freiheiten sind eine Märchenidee, für die sich natürlich keine Sau interessiert. Sowas denken sich dekadente Schreiberlinge in Spiegel und co. aus, die damit für unsere Oberschicht vertreten, womit die glauben, die Bevölkerungen der arabischen Welt weiter verarschen und ausnehmen zu können. Die wollen ja nicht ein größeres Spektrum bürgerlicher Zeitungen und zusätzliche Volksvertreter, die sich nach unbedeutenden Wahlen an der Korruption beteiligen, sondern bessere Jobs, mehr Geld, bessere Zukunftsaussichten, um so zu leben, wie wir es ihnen vorführen. Alles andere ist zweitrangig.

Da sie nicht bekommen was sie wollen, schliessen sie sich Bewegungen an, die transzendent begründete Gerechtigkeitsideen verkörpern und machen Rabatz. Das war im Iran so, und es ist in Ägypten nichts anderes. Nur in Libyen war es anders. Da hat eine verschwindende Minderheit von amerikanischen Söldnern unterstützt einen Volksaufstand vorgegaukelt, den es dort niemals gab und auch gar nicht geben konnte.

Man vergleiche mal die Bilder vom Tahirplatz mit denen vom Bloody Sunday 1887. Dann geht einem ein Licht auf, was den arabischen Frühling antreibt. Von wegen junge Leute mit Handys auf Straßenhappenings, die nur ein bißchen freies Internet und billige Boulvardblätter am Kiosk wollen...

Der Mubarak war denen völlig egal. Den hätten sie auch behalten, wenn sie dafür wirtschaftliche Reformen bekommen hätten, sprich Geld & Zukunft. Und natürlich ein Ende von Willkür und Vetternwirtschaft in Polizei, Justiz und Verwaltung.

Insoweit denke ich, es ist vermutlich wahrscheinlicher, daß sie irgendwann Polizeistationen, Gerichtsgebäude und gewisse Villen sprengen als irgendwelche Altertümer. Ob aber libysche oder andere von den Wahabiten finanzierte Terroristen nicht am Ende dann doch lieber in Ägypten weitermachen, wenn sie in Syrien von der Armee aufgerieben werden, ist schwer vorauszusagen.
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Alt 15.07.2012, 11:38   #8
MJ01
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Zitat:
Zitat von JamesBolivar Beitrag anzeigen
Ich glaube, das Spektrum der in den Wahlen zum Ausdruck kommenden Haltungen und Motive ist sehr breit. Da kommen soziale Spannungen zum Ausdruck,... Für viele Ägypter entfiel damit eine Option, ihrer Armut zu entkommen.

Man interpertiert in Europa völlig falsch, was dier Leute wollen. Das ist nämlich nicht politische Partizipation sondern wirtschaftliche, zu deren Durchsetzung sie angefangen haben, sich politisch zu bewegen.

Ob aber libysche oder andere von den Wahabiten finanzierte Terroristen nicht am Ende dann doch lieber in Ägypten weitermachen, wenn sie in Syrien von der Armee aufgerieben werden, ist schwer vorauszusagen.
Natürlich ist das Wahlverhalten nicht vom religiösen Empfinden, sondern von sozialen Gegebenheiten der Bevölkerung abhängig.

Aber im Grunde hängt der Erfolg einer (politischen, religiösen,...) Partei immer von der vorhandenen oder nichtvorhandenen Organisation ab. Sprich wenn hinter einer Bewegung eine durchorganisierte Struktur steht, dann wird sie sich auch durchsetzen. Und es ist bekannt, dass neben der immer schlechter funktionierenden "staatlichen" Strukturen, primär die Islamisten am Besten organisiert sind. Dort gibt es mafiöse Strukturen, die der armen Bevölkerung eben günstige Kredite vermittelt, dort gibt es Beratungsstellen, an die sich die Bevölkerung in allen Lagen des Lebens hinwenden kann. Dass neben dem sozialen eben auch religiöses Gedankengut über eine "gerechte Scharia" im Gegensatz zu einer "korrupten Demokratie" einfließt und damit auf fruchtbaren Boden fällt, ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Dass die wahabitischen/Al-Qaida-ischen Terroristen hier durchaus hilfreich sind, ist auch evident und wenn sich das Militär zu sehr streubt, wird man diese auch zu Hilfe holen.

Die Entwicklung ist vorhersehbar. Sie geht in der sog. islamischen Revolution nicht wie vom Westen erhofft in ein demokratisches westliches System, sondern natürlich in ein religiös, islamistisches System nach iranischem Vorbild, das durchaus "mehrheitsfähig" ist. Vielleicht nicht gleich aber schleichend.
Der kommunistische Terror in der Russischen Revolution war am Anfang auch nicht so ersichtlich (und "mehrheitsfähig", oder soll ich eher "durchsetzungsfähig" sagen?) wie er in der letztendlichen Konsequenz schließlich war. Am Ende hatte sich die stärkste Organisation durchgesetzt und diktierte den Willen weniger durch die Unterdrückung vieler (soll jetzt nur demonstrativ dargestellt sein - derartige Strukturen hat es letzenendes in jeder Geschichte eines Staatsvolkes gegeben).

MfG

MJ

Geändert von MJ01 (15.07.2012 um 11:45 Uhr).
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