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Alt 06.07.2009, 13:00   #1
Zeitungsjunge
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RSS-Feed Klimapanel Mainau: Nichts Neues unter der Sonne

Blumeninsel Mainau, gefühlte 40 Grad im Schatten. Fächer, Hüte und kühle Getränke sollen die Jung- und Altforscher vor dem Hitzschlag bewahren, während auf dem Podium Nobelpreisträger und Gäste dem Klimawandel zeigen sollten, was eine Harke ist. Nachhaltig Oder so ähnlich. Konnte natürlich nicht gut gehen. Wer auf Perspektiven, auf einen Weg vorwärts gehofft hatte, wurde jedenfalls weitgehend enttäuscht. Was bleibt ist vor allem ein Hauch globaler Hilflosigkeit. Was einige der klügsten Köpfe der Gegenwart dort anzubieten hatten, war insgesamt vor allem ernüchternd.



Wobei es absolut nicht ihre Schuld war, dass das Publikum nach Diskussion und Fragerunde insgesamt ratlos zurückblieb. Die Panelisten Pachauri, Molina, Carr, Quennet-Thielen, Schrock und Stocker gaben sich redlich Mühe, dem Thema Klimawandel etwas konstruktives abzuringen. Wir haben klare Worte gegen jede Form von Geoengineering gehört, und ein weiteres Bekenntnis, die tatsächlichen Kosten des Klimawandels auf die Kohlendioxid-Emissionen aufzuschlagen. Es ist sicherlich nicht die Schuld von Staatssektretärin Quennet-Thielen, dass die von ihr ausgiebig zitierten Maßnahmen Deutschlands kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein sind, verglichen mit der von Stocker zitierten notwendigen globalen Treibhausgas-Reduktion.

Man kann ihnen, auf ein Wort, nicht vorwerfen, dass man das alles schon mal gehört hat. Und dass der umstrittene mit-Panelist und IPCC-Kritiker Bjørn Lomborg mit seinem lässig-zynischen Plädoyers für entspanntes Abwarten letztendlich ihre Hilflosigkeit gegenüber den immensen Herausforderungen demonstriert hat. Aber genau das ist die Botschaft. Eine echte Strategie gegen den Klimawandel ist nach wie vor nicht in Sicht.

Lomborgs abwiegelnden Optimismus mag man mit Fug und Recht als mindestens naiv und auf jeden Fall verantwortungslos betrachten. Seine Anwesenheit bei der Podiumsdiskussion ist schon dadurch gerechtfertigt, dass er quasi exemplarisch die Rückzugsposition der westlichen Industrienationen vertritt. Bei allen Bekenntnissen zum Klimaschutz ist Lomborgs Position genau der Kompromiss, der immer herauskommt: Erst einmal abwarten und ordentlich Geld in zukünftige Technologien stecken, die hoffentlich in ein paar Jahren... und so weiter.

Geht sterben, Verlierer!
Wobei sich auch der Rest der Welt bei Lomborg angemessen vertreten finden kann. Nachhaltigkeit sei schön und gut, aber zuerst einmal kommt die Entwicklung. Ein Refrain, den zum Beispiel chinesische, brasilianische oder indische Politiker mit tiefer Inbrunst singen, und das keinesfalls zu Unrecht. Lomborgs Klimabotschaft ist letztendlich die Botschaft der Gewinner des gegenwärtigen, nicht-nachhaltigen Systems, zu denen inzwischen auch Hunderte Millionen Menschen in der nicht-westlichen Welt gehören: Geht sterben, Verlierer.

Die anderen Teilnehmer des Panels mochten in diese Botschaft nicht einstimmen. Nur was man stattdessen sagen könnte, das blieb schmerzhaft offen. Nehmen wir Rajendra Pachauri, den Vorsitzenden des IPCC. Seiner Meinung nach haben wir ein generelles globales Problem, nicht nur eines mit dem Klima. Dem hat nicht einmal Lomborg widersprochen. Und dann? Achselzucken. Wir müssen wohl dringend etwas unternehmen. Den Gewinnern wegnehmen, was sie durch jahrzehntelange Plünderung von Ressourcen gewonnen haben und inzwischen als ihr gutes Recht ansehen. Er glaubt, dass die Wähler Regierungen abstrafen, die sich dagegen sträuben. Das glaubt aber auch nur er.

Endgültig bloßgestellt hat das Panel allerdings nicht Lomborg, sondern Nobelpreisträger Roger Tsien. Der hat einfach mal ein bisschen im allgemeinen Forschrittsoptimismus herumgebohrt und gefragt, welche Technologien denn genau die Jungforscher im Publikum entwickeln sollen, um uns vor dem Klimawandel zu retten. Es folgte ein bisschen hilfloses Herumgerate, das Molina mit dem Hinweis abschloss, man könne sich jetzt noch nicht festlegen.

Immerhin eines hat diese Diskussion erreicht. Sie demonstriert mit großer Deutlichkeit, warum es trotz allgemeiner Einsicht ins Problem und trotz aller internationaler Konferenzen keine nennenswerten Maßnahmen gegen den Klimawandel gibt, und warum es sie auch in absehbarer Zeit nicht geben wird. Das Problem ist schlicht zu gewaltig, die Herausforderung zu global, als dass sie mit den vorhandenen Mitteln erfassbar wäre. Es gibt innerhalb des Rahmens, in dem die Diskussion unter gegenwärtigen Umständen möglich ist, nur eine mehrheitsfähige Antwort auf den Klimawandel. Lomborg hat sie gegeben.

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