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Alt 13.04.2017, 15:14   #1
basti_79
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Standard ARD: "Plusminus" vom 12.4.2017, Mindestreservesystem, TARGET 2, Euro-Ausstiege

"Plusminus" ist vielen vielleicht aus der Steinzeit des Fernsehens noch ein Begriff. Ich habe sicherlich Jahrelang keine Folge mehr davon gesehen, und an die wenigsten erinnere ich mich. Als ich die Sendung vom 12.4.2017 gesehen habe, hat mich fast der Schlag getroffen.

Die Themensammlung:
  1. Methadon als Krebs-Chemotherapie-Adjuvanz
  2. Abzocke durch Tierärzte
  3. Tabakwerbung
  4. TARGET 2
  5. Korruption durch Schulfotografen
Fünf Ausrufezeichen, sozusagen. 2,3 und 5 glaube ich auf's Wort. 1 und 4 möchte ich überprüfen.

Methadon als Hilfsstoff bei der Chemotherapie

In diesem Segment wird die Ulmer Chemikerin Claudia Friesen zitiert, die "in vitro" nachgewiesen hatte, dass Chemotherapie gegen Krebs in Kombination mit Methadon besser anschlägt als ohne. Der Effekt ist anscheinend auch in Vivo deutlich und reproduzierbar [1, 2]. Eine besondere Wirkung beim Glioblastom wurde postuliert und nachgewiesen. In der Sendung wurde "die Pharmaindustrie" verantwortlich gemacht, dass diese Kombination nicht häufiger antwendet wird. Grund wäre, dass Methadon spottbillig ist, und in auch nur in kleinen Dosen verwendet wird, womit der Profit der Arzneimittelhersteller und der Apotheken natürlich geringer ausfällt.

Methadon ist ein vollsynthetisches Opoid, das unter anderem von der Heroin-Substitutionstherapie bekannt ist. Es ist ein "verkehrsfähiges und verschreibungsfähiges Betäubungsmittel", d.h. ein Arzt muss ein bestimmtes Verfahren verwenden, will er ein Rezept darauf ausstellen ("Betäubungsmittel-Rezept"). Davon abgesehen ist es verfügbar und steht bei der WHO auf der Liste der unentbehrlichen Medikamente.

Target 2

Da haben sie mich wirklich erwischt. Ich dachte immer, wenn ich mir Beispielsweise aus Portugal einen Container Kork kommen lasse (und per Überweisung bezahle), würde folgendes passieren:
  • Meine Bank bucht von meinem Konto einen entsprechenden Betrag ab
  • Die Bank meines Geschäftspartners bucht den Betrag auf das Konto ihres Kunden
  • Dadurch ändern die Reserveanforderungen: Meine Bank hat weniger Verbindlichkeiten, so dass sie einen Teil ihrer Reserve ausgeben kann. Die Bank meines Partners hat mehr Verbindlichkeiten, so dass sie irgendwie ihre Reserve erhöhen muss.
  • "Am Ende des Tages" macht sich höchstens diese Veränderung in den Reserven der Banken bemerkbar.
In Wirklichkeit passiert aber folgendes:
  • Meine Bank bucht von meinem Konto einen entsprechenden Betrag ab
  • Dieser wird durch "TARGET 2" geschleust. Dabei passiert folgendes: die Bundesbank kassiert das Geld ein, und markiert es als "für Portugal". Die portugiesische Zentralbank wird es sich "abheben" und es der Bank meines Partners geben. Damit hat die Bundesbank eine Forderung offen, quasi (wie ist das genau?) gegenüber der portugiesischen Zentralbank. (Da kommen mir dann auch Stichworte wie "Aussenhandelsbilanz" in den Sinn - was vorher immer nicht so recht Sinn ergeben hatte)
  • Mein Partner geht zur Bank und sieht das Geld auf seinem Konto. Weder ich noch er haben etwas von "TARGET 2" mitbekommen.
  • Die Veränderung bezüglich der Reserven kann immer noch stattfinden.
  • Die große Frage ist: was würde passieren, würde Portugal aus dem Euro aussteigen? Meiner Meinung nach würde es bedeuten, dass die TARGET 2-Forderung erlassen werden müsste. Viele Leute scheinen aber der Ansicht zu sein, dass man gerade das eben nicht zulassen dürfe. Da geht mir jetzt irgendetwas von einer "inneren Krisenhaftigkeit des Kapitalismus" durch den Kopf.
Ich habe scheinbar "TARGET 2" bislang übersehen, weil diese Forderung überhaupt keinen Sinn ergibt. Warum sollte die portugiesische Zentralbank der Bundesbank das Geld geben (bzw. einen Betrag in gleicher Höhe), was ich eigentlich dem portugiesischen Korkbauern überweisen wollte?


Man kann diese Sache mal ins Extrem treiben: Stellen wir uns Portugal als Kolonie der BRD dar, also in vollkommener wirtschaftlicher Abhängigkeit. Jeder Euro, den man in Portugal dreimal herumdreht, müsste irgendwie durch ein Geschäft mit Deutschland zustande kommen. Da können die Portugiesen 100 Jahre lang Korkeichen anbauen und Kork ernten, und noch davon so viel ehrliches Geld verdienen, und die TARGET 2-Forderungen der Bundesbank würden 100 Jahre lang wachsen. Dann steigt Portugal aus dem Euro aus, weil sie die Nase voll davon haben, und dann kommt die Bundesbank angekleckert mit einer Rechnung über Billionen Euro.


Geht's noch?



Ich habe diesen Wikipedia-Artikel jetzt 3 mal versucht zu lesen, und bin jedes einzelne Mal darüber gestolpert, dass die Darstellung dieses Vorgangs dort horrend kompliziert ist. Ich finde aber keine andere Deutung als die hier wiedergegebene. In der Wikipedia findet sich dieser kryptische Satz:


Zitat:
Letztlich hat die Bundesbank die Lieferfirma bezahlt. Hierfür erhält sie eine Forderung gegenüber dem EZB-System, die jedoch rechtlich keine Fälligkeit besitzt.
"Die jedoch rechtlich keine Fälligkeit besitzt" - was bedeutet das? Was ist eine "rechtliche Fälligkeit" (ich kenne nur eine Sorte Fälligkeit: Der Termin ist verstrichen, es muss gezahlt werden) und was passiert, wenn es keine gibt? Wird die Forderung dann niemals einklagbar?

Was bedeutet das ganze dann?



http://www.daserste.de/information/w...nus/index.html
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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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