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Alt 24.07.2018, 17:29   #7
basti_79
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Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Es war logisch, dass die OHL verhandelt. Es war Krieg, der normale Parlamentarismus und die Zivilverwaltung waren ausser Kraft gesetzt worden im August 1914.
Das heißt, die OHL war De Facto das herrschende Organ? Nicht etwa der Kaiser? Das macht doch einen wesentlichen Unterschied.

Zitat:
Wenn die militärische Führung meint, nicht mehr kämpfen zu wollen, dann nimmt sie mit der Gegenseite Kontakt auf und redet über einen Waffenstillstand.
Ja, und weil der Staat damals so ein Riesenhaufen Mist war, haben sie das halt verkorkst, damit sie später auf typisch narzisstische Art und Weise jemand anderem die Schuld in die Schuhe schieben konnten. Und wer nationalistisch verblendet war und ggf. genauso narzisstisch, hat das geglaubt.

Und heute kann man die Sache ja immer noch so darstellen, dass die Demokraten damals "schlau genug" waren, den offenen Widerstand zurückzustellen und sich in die Sklaverei zu begeben...

Zitat:
Die Verhandlungsbasis war insofern unrealistisch, als man nichts von den Eroberungen (Landgewinne in Frankreich, ganz Belgien, riesige Gebiete im Osten) hergeben wollte. Es würde zu weit gehen, die auf die Details einzugehen.
Dazu kommt noch, dass damals selbstverständlich Demokratie und Rechtsstaat keine Rolle spielten. An dieser Stelle mal einen ausdrücklichen Dank an Dich: der Status Belgiens in der Zwischenkriegszeit war mir bislang nicht geläufig, und ich war auch eben erst auf den Gedanken gekommen, den mal zu recherchieren. Das kann ich letztendlich nur als grobe Fahrlässigkeit meines Geschichtslehrers (ich hatte in der fraglichen Zeit im wesentlichen in jedem Jahr ein- und denselben) bezeichnen.

Zitat:
Zur Rolle der Sozialdemokratie ist viel veröffentlicht worden, aber das würde zu weit führen, da es um die Kriegsschuldlüge geht.
Lass uns das Thema doch erst einmal eingrenzen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsschuldl%C3%BCge

(Wie so oft ist die Wikipedia bei Definitionsfragen außerordentlich hilfreich)

Was ist Deine Proposition?
  1. Heute Glauben manche Leute noch die (orginale) "Kriegsschuldlüge", was man nicht tun sollte
  2. Es gibt heute (mit der Kriegsschuldlüge) vergleichbare Verschwörungstheorien, vor denen man warnen sollte
  3. Es verbietet sich, parallelen zwischen der Zwischenkriegszeit und somit der damaligen Behandlung der "Kriegsschuldlüge" und der heutigen Zeit zu ziehen
  4. Anderes (bitte ausführen)

Zitat:
Aber nur soviel: Die SPD hat sich während des Krieges in der Friedensfrage gespalten, ohne dass die Abweicher aus der Partei austraten. Erst im Dezember 1918 wurde die KPD gegründet - von diesen Abweichlern.
Darüber ist die SPD heute noch sauer.
Da sieht man's mal wieder: das größte Problem der Nachkriegszeit ist die mangelnde Fähigkeit der Individuen, Konflikte zu verarbeiten bzw. sogar zur Lösung zu führen. Alles nur Scheinlösungen.

Um die Atmosphäre etwas zu lockern, hier mal ein original DDR-Witz:

Zitat:
1976, 9. Parteitag der SED. Stoph hält eine furchtbar lange, furchtbar langweilige Rede über die Lage der Versorgung des Bezirks Halle mit Backwaren. Immer wieder steht ein Genosse während dieser auf und ruft:

"Herr Stoph, was ist mit dem Klopapier?"

etc. pp. - Stoph redet unermütlich weiter. Irgendwann wird es ihm zu bunt und er brüllt zurück:

"Genosse, Lecken Sie mich doch mal am Arsch!"

Der Genosse gibt leise zurück: "Aber das ist doch auch nur eine Zwischenlösung!"
Zitat:
Aber unter den Gewerkschaften und in den Betrieben war der Wunsch nach einem Ende des Krieges stark. Es gab 1917 und 1918 grosse Streiks.
Immerhin. Problem ist hier erst einmal die "Kriegsbrille". Was ist mit diesen basisdemokratischen Impulsen nach Ende des Krieges passiert?

Zitat:
Beschäftige Dich einfach mal mit der USPD und den revolutionären Obleuten. Leider sind die Darstellungen, die explizit von der SPD oder früheren SED kommen ziemlich unbrauchbar.
Das ist jetzt mit Blick auf die neuere Geschichte interessant: Warum haben SPD und SED es nicht geschafft, die (inneren!) Probleme der Zwischenkriegszeit später sauber darzustellen? Ich erinnere daran, dass ich vor kurzem, sehr zu Deinem Unmut, dargestellt hatte, wie und mit welchem Ergebnis deren Vereinigung nach 1990 vonstatten gegangen war.

Zitat:
Die Arbeiter- und Soldatenräte wurden von der SPD verraten, die auf das bürgerliche Modell des Parlamentarismus gesetzt hat.
Formal scheint diese Antwort korrekt. Warum haben sich die "Arbeiter- und Soldatenräte" das überhaupt bieten lassen?

Zitat:
Da kann man nicht erfolgreich sein, wenn einem die eigenen Leute in den Rücken fallen. Von daher ist Ironie fehl am Platz - Treuer und Wut wären angebracht.
Ich sage ja ausdrücklich, dass, wer diese Zeit miterlebt hat, und die SPD und ihre Auswüchse nicht spätestens 1950 als unbrauchbar verworfen hat, als Mittäter gelten muss.
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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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