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Alt 16.11.2017, 12:04   #1
basti_79
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Standard China: Politbüro entdeckt Aberglauben in der Partei

(via Felix von Leitner)

Zitat:
Writing in the party’s official mouthpiece, the People’s Daily, Chen Xi accused some officials of becoming politically and morally “degraded” and of looking to religion, superstition and – perhaps even worse – western-style multi-party democracy as their faith in socialism faded.

“Some don’t believe in Marx and Lenin but believe in ghosts and gods; they don’t believe in ideals but believe in sorcery; they don’t respect the people but do respect masters,” wrote Chen, who was last month handed a spot on China’s 25-member Politburo.

[...]

Nee said efforts to replace Christian art with communist propaganda were in many ways more disturbing than a controversial campaign to remove church crosses which began in Zhejiang province in 2013, under the watch of its the party boss Xia Baolong, a Xi ally. “It’s one thing to control public space and another to dictate people’s religious beliefs in the home … a lot of people will resent it.”
Übersetzung:

Zitat:
In einem Artikel im offiziellen Parteiorgan, der "Tageszeitung des Volkes", beschuldigte Chen Xi manche Beamten, politisch und moralisch zu "degenerieren", und sich Religion, Aberglauben und - vielleicht noch schlimmer - westlicher, pluralistischer Demokratie zuzuwenden, weil ihr Glaube in den Sozialismus schwinde.

"Manche glauben nicht an Marx und Lenin, sondern an Geister und Götter; sie glauben nicht an Ideale, sondern an Zauberei; sie respektieren nicht das Volk, sondern Meister [!]", schrieb Chen, der letzen Monat einen Posten im 25-köpfigen Politbüro Chinas erhielt.

[...]

Nee [ein Menschenrechtsaktivist] sagte, Bemühungen, christliche Kunst durch kommunistische Propaganda zu ersetzen, wären in mancherlei Hinsicht noch verstörender als eine strittige Kampagne, Kreuze in Kirchen zu entfernen, die seit 2013 unter der Aufsicht des dortigen Parteiführers Xia Baolong, ein Verbündeter [des Parteichefs] Xi in der Provinz Zheijiang stattfindet. "Es ist eine Sache, den öffentlichen Raum zu kontrollieren und eine Andere, den Glauben der Menschen daheim zu diktieren... Sehr vielen Leuten wird das nicht gefallen.
Merkwürdig, wie der Guardian hier von politischem Glauben und politisch-religiöser Praxis (Führerkulte, Parteidisziplin usw.) auf eine formal religiöse Frage (nämlich den Umgang der chinesischen Führung mit der christlichen Religion bzw. mit den Angehörigen dieser) schwenkt. Das eine hat mit dem Anderen nämlich relativ wenig zu tun. Und nach dem, was man so aus China hört, haben die gerade andere Sorgen.

Witzig auch, dass die Besorgtbürger sich da gar nicht zu Wort melden. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: da findet in einem offiziell sozialistischen Staat - neben einem flächen Bestand an Menschenrechtsbrüchen - eine beinharte Christenverfolgung statt, und die hiesigen Nazis trauen sich nicht, etwas zu sagen, weil die chinesische Führung ja so schön stalinistisch ist... Wie einfach die Welt doch wird, wenn man sie durch die richtige Brille betrachtet...

https://www.theguardian.com/world/20...enior-minister
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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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