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Alt 27.10.2017, 15:46   #1
basti_79
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Standard Erwägungen zu KI und Politik

Hier wird (recht launig) darüber spekuliert, inwiefern künstliche Intelligenz der Politik schaden könnte. Als Beispiel wird ein Browserspiel verwendet, bei dem der Spieler die Rolle einer künstlichen Intelligenz übernimmt, die es als ihre Aufgabe betrachtet, Büroklammern herzustellen - unter denen die Welt dann schließlich erstickt.

Ich frage mich ehrlich, wo die Leute da überhaupt noch Unterschiede machen zu dem, was man uns als Politik zu verkaufen versucht. Anstatt Büroklammern werden halt Menschen produziert und Waren. Und die Steuerung hat keine zentrale KI, sondern sie verläuft dezentral. Aber ansonsten ist das Resultat dasselbe. Da fällt mir auch ein Spruch ein, der zur Zeit in social Media herumgeistert:

Zitat:
Erwachsene: Rekordzahl an depressiven Teenagern! Müssen herausfinden, warum!

Teenager: Die Schulen sind so schlimm wie nie, unsere Eltern haben die Wirtschaft verkorkst, die Erde auf dem besten Weg zur völigen Zerstörung durch Umweltverschmutzung, und jetzt bekommen wir es auch noch mit verdammten echten Nazis zu tun.

Erwachsene: Es sind die Smartphones, nicht wahr?
(https://pbs.twimg.com/media/DMX-mx_XcAAQF9r.jpg)

Mir fällt da auch noch das Schlüsselwort "Schwarmintelligenz" ein. Es gibt da die Theorie, dass man eine zentrale Steuerung durch Dezentrale ersetzen kann, und dass man so sogar die Intelligenz von Menschen steigern oder besser nutzen könnte. Wie man sieht, ist das nicht der Fall - man steigert bloss die Durchsetzungsfähigkeit oder Reichweite. Das kann man ja schon an Religionen erkennen.

Daher denke ich übrigens auch, dass selbst "harte" KI (die dann theoretisch in der Lage wäre, Politik zu betreiben oder Recht oder so) keinen besonders großen Unterschied machen würde.

Zuerst wird man jetzt herausfinden, dass KI's sich doch von Menschen unterscheiden. Zuerst einmal haben sie keinen vergleichbaren Körper, und dann haben sie auch keine Instinkte, wie wir sie - als Säugetiere - haben. Deswegen ist die Befürchtung, dass eine KI "die Macht übernimmt" auch wenig plausibel. Welche Gründe hätte eine KI, Büroklammern zu produzieren, bis die Weltwirtschaft zusammenbricht? Oder meinetwegen einen Krieg zu provozieren - was ja schon in "War Games" (1983) thematisiert wurde.

Zitat:
Das ist ein seltsames Spiel. Der einzige Weg, zu gewinnen, ist nicht zu spielen.
Letztendlich nur, dass Menschen sie so gemacht haben, bzw. ihr die Möglichkeit dazu gegeben haben. Ansonsten hat eine KI genau dieselben Möglichkeiten, einen Krieg zu provozieren, wie jeder von uns: keine.

Die Existenz von KI's wird keine neuen ethischen Fragen aufwerfen. Eher noch, Alte beantworten helfen. Meiner Meinung nach kann das nur gut sein. Es wird aber vermutlich zu Vorurteilen gegenüber den Urteilen von KI's führen. Genau, wie das in der Mathematik auch in Teilen der Fall war. Etwa beim Vierfarbensatz.

Ein gutes Beispiel dafür, wo menschliches Urteilsvermögen und Ratio aneinanderstoßen, ist die Universalität der Menschenrechte: fast jeder Mensch geht davon aus, dass die Menschenrechte in Wirklichkeit Privilegien sind, die man sich erst erarbeiten (oder sonstwie erwerben) muss. Dass das nicht der Fall sein darf, steht in jeder mir bekannten Fassung geschrieben. Da hätte man also ein hieb- und stichfestes Argument dafür, dass die meisten Menschen nicht logisch denken können, wenn es darauf ankommt. KI's können das vermutlich besser.

https://www.wired.de/collection/life...-bueroklammern
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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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