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Alt 08.05.2018, 12:27   #14
basti_79
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Zitat:
Die "Medizin" kann Heilungserfolge vorweisen. Medikamente (Wirkstoffe) helfen gegen bestimmte Krankheiten und das kann man nachweisen.
Da steht offensichtlich das falsche Dilemma "Medizin ggü. Quacksalberei" im Hintergrund. Ich meinte:
  • Bestimmte Phänomene werden (möglicherweise fälschlich) der Medizin zugeschrieben (z.B. Geisteskrankheit im weitesten Sinne, gegenüber etwa "spiritueller Gesundheit") - oben hatte ich das "Heilserwartungen" genannt. Dennoch muss man sagen, dass diese Phänomene ja existieren, und eine (hilfreiche) gesellschaftliche Antwort darauf noch aussteht.
  • Manche (!) vorgebrachte Kritik ist ja durchaus berechtigt - z.B. dass es Medikamente gibt, die reine Geschäftemacherei sind, ähnlich wie "Globuli", oder dass man in der Medizin viel mit Autorität und Respekt arbeitet - was ja nichts wissenschaftliches ist.
  • Manche (!) Medizin ist genausowenig evidenzbasiert wie Homöopathie oder Akupunktur. Oben hatten wir schon ein Beispiel: Knie-OP's. Mir fällt auch noch Salz im Essen ein. Auch scheinen sehr viele Krankheiten, die derzeit von Ärzten behandelt werden, eher psychosomatische Ursachen zu haben als physiologische.
Diese Defekte kann man unmöglich einem einzelnen "schlechten Arzt" zu schreiben. Es handelt sich um systemische oder strukturelle Probleme. In dieser Hinsicht hat die Medizin (im Sinne der gesellschaftlichen Struktur) versagt.


Zitat:
Die Homöopathie kann das eben nicht. Anscheinend versuchen manche Leute den Spiess umzudrehen.
Ganz sicher versuchen sie das.

Zitat:
Weil die Pseudo-Medizin keine Heilungserfolge nachweisen kann, soll das nun auch für die "Schulmedizin" gelten.
Es kann auch sein, dass manche Leute so denken. Ich tue das nicht. Meiner Meinung nach müssen sich Homöopathie und evidenzbasierte Medizin an denselben Maßstäben messen, und da zeigt sich dann: bei geeignet gewählter Stichprobe (nur "echte" Krankheiten) hat die evidenzbasierte Medizin die Nase meilenweit vorn.

Gäbe es jetzt "nur echte Krankheiten", wäre das Problem gelöst, und wir könnten uns um andere Probleme kümmern. Die Wirklichkeit ist aber etwas komplizierter.

Zitat:
Weil Teile der Pharmaindustrie nur Geld machen wollen, soll das ganze System der naturwissenschaftlich fundierten Medizin angezweifelt werden.
Wieder falsch: das ganze System der Medizin muss immer wieder in Frage gestellt (angezweifelt) werden können. Andernfalls würde es sich nicht um Wissenschaft handeln. Außerdem liegt die Frage auf der Hand, was alles Bestandteil des Systems Medizin ist und was nicht. Zählen wir Psychiatrien dazu? Altenpflege? Eltern von unmündigen Kindern? Streifenpolizisten?

Bitte recht freundlich:

Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Es ist mir wie so oft rätselhaft, was Du meinst.
Zitat:
Zitat von Groschenjunge Beitrag anzeigen
Was genau verstehst du darunter?
Zitat:
Zitat von ManuX Beitrag anzeigen
Strukturelles Versagen der Medizin halte ich ebenfalls für eine problematische Aussage. Man kann darüber streiten, ob das Hausarztsystem einige Menschen beinahe in die Homöopathie drängt. Sehr viele Erkrankte wünschen sich Kontakt zu einem anderen Menschen - jemand der sie versteht und nicht nur durchschleust und mit irgendeinem Medikament wieder nach Hause schickt. Hier kommen die Heiler und andere ... Menschen ins Spiel die genau diesen Erkrankten das Gefühl von Vertrauen und Sicherheit geben. Glaube ich übrigens absolut nicht dran. Placebo ist so ein schönes Wort
ManuX, Du scheinst hier auf der richtigen Spur zu sein. In meinem Sinne könnte man Fragen: Sind diese Patienten beim Arzt richtig, oder ist das einfach nur ein Missverständnis?
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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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