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Alt 03.12.2006, 16:04   #4
Tarlanc
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Standard RE: Camäleon: "die aco basti linie"

Zitat:
Original von Acolina
Dez 02 22:48:58 <chamaeleon> al ich versuchs mal: es gibt ne realtiät die ist messbar, beschreibbar und so weiter. Aber dann gibt es noch eine andere Realität, deren Beschreibbarkeit ist schwierig, diffus, vielschichtig, komplex. mit andern Worten schwer zu beschreiben. eine möglichkeit ist deren Existenz einfach zu bestreiten und, man ist gut drin. und das ist für mich die Basti Aco linie
Die messbare Realität, welche von unabhängigen Leuten und unabhängig von Ort und Umstand immer gleich gemessen werden kann, ist der einzige Untersuchungsgegenstand der Naturwissenschaften. Es ist diese intersubjektive Realität, welche man messen, beschreiben und erforschen kann. In dieser intersubjektiven Realität lassen sich Naturgesetze und Regelmässigkeiten formulieren und erforschen. In dieser Realität lässt sich experimentieren.
Deswegen gilt für die empirische Wissenschaft: 'Nur das, was gemessen wurde, existiert auch'
Das ist nicht nur die Linie von Aco und Basti, sondern die Linie der gesamten empirischen Wissenschaft.

Man kann nun natürlich darüber spekulieren, dass es jenseits der Messbarkeit noch andere Dinge gibt. Eine unfessbare Realität, welche für jeden anders aussieht und keine Gesetzmässigkeiten hat. Aber Spekulationen über diese Zusammenhänge sind letztlich müssig, da sie sich weder experimentell noch durch Erfahrungen bestätigen oder widerlegen lassen.
In diese Kategorie fallen alle Religionen und Glaubenssysteme. Man kann ihren Gegenstand nicht messen und nicht erforschen, man kann nur daran glauben oder eben nicht. Das macht sie zu Objekten metaphysischer Gedankengänge, aber sie können nicht als für jeden Verbindlich oder akzeptabel angesehen werden. Denn jeder macht sich eigene Gedanken darüber und keiner kann den Standpunkt des anderen oder seinen eigenen durch irgendwelche Belege oder intersubjektive Messungen widerlegen.

Dies bringt insbesondere Leute ohne Glauben an Übernatürliches dazu, diesen Bereich vollständig auszublenden. Sie debattieren und forschen dann nur noch auf dem Gebiet der empirischen Wissenschaften, also im Bereich des messbaren. Und alles andere existiert schlichtweg nicht.
So kann man sich ein kohärentes Weltbild aufbauen, welches ohne jegliche Geister, Götter, Dämonen, Aliens, Illuminaten oder sonstige Ideen auskommt. Ein Weltbild, in dem alles kausal verknüpft und messbar ist und in dem es schlichtweg keine Notwendigkeit für Übernatürliches gibt. Es ist zwar ein äusserst komplexes Weltbild, aber eines, welches in sich geschlossen und stimmig ist.

Ob es nun gut oder schlecht ist, die eine oder andere Linie zu vertreten, kann ich nicht sagen. Ich persönlich halte mich auch lieber an die intersubjektive Realität und lasse alles andere als mögliche Theorien im Raum stehen.

Falsch finde ich hingegen ganz klar die Idee, sich für eine nicht-messbare Realität stark zu machen, nur um einen Freibrief zu haben, irgendwelche abgehobenen Theorien zu entwickeln und sie lautstark als Wahrheit zu verkünden (oder Profit zu machen). Das ist einzig für das eigene Ego und die eigene Brieftasche hilfreich und ansonsten einfach deppert.
Und zu dieser eher depperten Linie zähle ich alle Ozonisierer, Alien-Telepathen, Traumfänger, Hellseher und Möchtegern Eso-Hexen.
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Even people who are a pain in the arse can stimulate new thinking.
Vaughan Bell, Institute of Psychiatry, London
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