Thema: Mission Mars
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Alt 26.05.2004, 23:39   #46
Desert Rose
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Studie

Zwei Monate im Bett für den Mars

Am Ende des Berliner Weltraum-Experiments waren die Kandidaten reichlich blass um die Nase, und auch ihre ersten Schritte auf dürren Beinen wirkten unsicher. Doch sie haben alles gut überstanden. Acht Wochen Liegen im Klinikbett, die vielen Untersuchungen und zum Schluss das mühsame Aufstehen im Dienst der Wissenschaft. Geblieben ist der Stolz, einen Meilenstein für die Medizin gesetzt zu haben: Den Beweis, dass es ein wirksames Trainingsgerät gegen Muskelschwund gibt. Damit rücken nicht nur bemannte Mars-Missionen näher. Auch den weltweit vielen Millionen Osteoporose-Patienten könnten die Forschungsergebnisse helfen.

Zwei Monate freiwillig nur liegen

Vor einem Jahr war es noch ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Das Berliner Universitäts-Klinikum Benjamin Franklin suchte für eine 1,4 Millionen Euro teure Weltraum-Studie 20 Männer zwischen 20 und 45 Jahren, die bereit waren, sich zwei Monate in ein Krankenhausbett zu legen. Das Gerät war von der Europäischen Weltraumagentur (ESA) für künftige Flüge zum Mars in Auftrag gegeben worden. Dadurch sollte der Muskelabbau bei der Schwerelosigkeit simuliert und ein Trainingsgerät getestet werden.

"Ich bin absoluter Science-Fiction-Fan, da war ich sofort dabei", berichtet Test-Kandidat Artur Zwirkowski. Nach Abschluss der Studie ist sein Faible für Weltraumabenteuer nur noch gewachsen. "Vielleicht habe ich mitgeholfen, dass es mal einen bemannten Flug zum Mars gibt", schwärmt der 31-Jährige Betriebswirt. Da wäre er ja so gern dabei.

Doch noch gehen Wissenschaftler davon aus, dass eine Mars-Mission mit Astronauten erst in 15 bis 20 Jahren starten kann. Studienleiter Dieter Felsenberg ist aber froh, dass zumindest das Problem des Muskelschwundes an den Beinen der Astronauten nun besser gelöst werden kann. Denn das Trainingsgerät "Galileo Space", das die Beinmuskeln der Test-Kandidaten im Liegen stählte, hat ganze Arbeit geleistet. Mit Hilfe des Vibrations-Trainings verloren sie nur zehn Prozent ihrer Muskelleistung. Im Vergleich dazu büßten die Kandidaten ohne Trainig 40 Prozent Muskelkraft ein. Damit würden ihnen nach einem ein- bis zweijährigen Flug zum Mars bei den ersten Schritten auf dem Roten Planeten sofort die Knochen brechen.

Psychische Probleme bemannter Missionen noch ungelöst

Doch auch mit dem Muskel-Trainig sind längst nicht alle Probleme von Langzeit-Missionen im All gelöst: Die Realität von Raumschiff Enterprise noch weit entfernt. Mögliche psychische Probleme von Astronauten, die monatelang auf engstem Raum miteinander auskommen müssen, sind nicht ausreichend erforscht. Und auch die Gefahren kosmischer Strahlung seien unklar, sagt Oliver Angerer, Mediziner bei der Europäischen Weltraum-Agentur ESA.

Die einjährige Studie, die demnächst im französischen Toulouse mit Frauen fortgesetzt wird, soll aber nicht allein der Zukunft dienen. "Dieses Trainingsgerät funktioniert auch bei Osteoporose-Patienten", sagt Martin Runge, Chef des Muskel- und Knochenzentrums der Aerpah- Klinik in Esslingen. Dort hat er eine Erd-Variante des Gerätes schon an älteren Patientinnen getestet - mit ersten Erfolgen.

Ulrike von Leszczynski, DPA
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