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Alt 17.10.2010, 00:10   #5
Atlantologe
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Zitat:
Ganz 'katastrophal' ist die Situation jedoch noch immer, wenn es um die Möglichkeit von Impakten mit globalen oder großräumig regionalen Auswirkungen in der rezenten Erdgeschichte geht, insbesondere zur Zeit des modernen Menschen, und erst recht während des Holozäns. Allerdings bekommen diejenigen, die rundweg abstreiten, es könne solche Ereignisse gegeben haben, inzwischen mächtig 'Gegenwind' zu spüren. . . . Seit etwa fünf Jahren gibt es nämlich ein internationales, hochkarätig und interdisziplinär besetztes Forscherteam namens Holocene Impact Working Group
Ach ja, mal wieder Russland. Der Hang der Russen zu Grenzwissenschaften mit esoterischer Schlagseite ist ja hinlänglich bekannt. Man sollte, ehe man solche wohlklingenden Labels für streng wissenschaftlich hält, mal ein bisschen rumforschen, wer da überhaupt dahinter steckt. Diese Mühe möchte ich mir an einem Samstagabend jedoch ersparen. Ich bin nur ziemlich vorsichtig (geworden). Ein Klick auf "Members" und deren reißerische Science Fiction-Romane daneben sagt eigentlich mehr als 1000 Worte, lieber Bernhard. Tollmann scheint ein Ausbund an knochentrockener Seriosität dagegen zu sein, und auch Wissenschaftler mit einem degree sind nicht immun gegen Sensationalismus, besonders wenn sie nicht hauptberuflich in diesem Gebiet forschen und arbeiten.


Zitat:
dessen Mitglieder inzwischen u.a. voraussetzen, dass sich etwa alle 1000 Jahre ein schwerwiegender Impakt (in der Größenordnung einer 10-Megatonnen-Atombombe) ereignet.
Eben. Am Anfang jeder Schwurbel-These steht als Voraussetzung das Ergebnis, das man jetzt nur noch "herleiten" muss. Ich bin's manchmal so leid… Möchte manchmal wirklich alles hinschmeißen, weil auf diese Art die "Grenzwissenschaft" sich immer wieder aufs Neue disqualifiziert. Anders gesagt: Wenn's Velikovsky nicht gegeben hätte, müsste man ihn erfinden… oder so.


Zitat:
Ihre Schätzung basiert auf Evidenzen für eine entsprechende Anzahl von Impakt-Ereignissen während der vergangenen l0000 Jahre.
Evidenzen? Je kleiner der Zeitraum, umso kleiner die Brocken, die runter kommen. Ein 10-km-Bolide stürzt etwa alle 100 Mio. Jahre auf die Erde. Ein 1-km-Brocken ungefähr jede Million Jahre einmal, ein 250-Meter-Brocken alle 20.000 Jahre, und ein 100-Meter-Brocken alle 1000 Jahre. Entspricht das einer Atombombe von 10 Megatonnen? Das ist die Frage. Der Tunguska-Meteorit soll ein 50-Meter-Brocken gewesen sein, so einer kommt durchschnittlich einmal pro Jahrhundert runter.


Einschläge von Boliden aus dem Weltall haben die Eigenart, dass sie Spuren hinterlassen. Ein letzter größerer Brocken von einigen 100 m Durchmesser könnte vor 12900 Jahren in Kanada eingeschlagen sein und die Jüngere Dryas ausgelöst und mit zum schnellen Untergang der Clovis-Kultur beigetragen haben, aber die Hinweise sind sehr diffus und kontrovers; die Theorie ist allgemein nicht anerkannt, auch wenn vieles dafür spricht. Man hat halt keine Einschlagstelle (Krater) und nichts von dem Brocken selbst gefunden. Das muss nicht viel heißen, denn wenn er in den Laurentidischen Eisschild eingeschlagen ist, können die Reste überall und irgendwo liegen, ohne dass man, wenn man mal was findet, das auf diese hypothetische Katastrophe zurückführen kann.

Bisweilen tauchen Meldungen über einen neuen Hinweis zu einem historischen Impakt auf. Zuletzt las ich mal vor knapp 2 Jahren in einer populärwissenschaftlichen Seite einen Bericht über einen angeblichen Einschlag im Indik vor Madagaskar, und zwar am 10. Mai 2807 BC. Da frag ich mich: Woher weiß man das so genau? Ich hatte das in 3 Foren gesetzt, 2 davon sind inzwischen geschlossen, und im dritten (FrankD) kann ich den ort nicht mehr finden, wo ich das mitsamt Link in einem thread abgelegt hatte; naja, und das Lesezeichen zu jenem Artikel gibt’s nicht mehr. Bleibt also nur zu googeln…

http://www.google.de/search?hl=&q=im...DE281&ie=UTF-8

…und wie man sieht, ist das inzwischen offenbar von den Esos übernommen worden, nur die seriöse Wissenschaft will davon nix (mehr) wissen. Wie auch: Wie sollte man so ein hypothetisches Ereignis bis auf den Tag genau bestimmen können, und wie kann man wissen, wie groß der angebliche brocken war, wenn er doch ins Meer gestürzt ist? Man müsste Spuren eines damit verbundenen Tsunamis finden, aber wo soll man suchen, wenn man nicht mal weiß, wie dick der brocken war und wie hoch entsprechend die welle, als sie ans Festland traf?

Sicher gab es kleinere und mittlere Einschläge auch in der rezenten Vergangenheit – ihre Wirkungen scheinen aber keineswegs so verheerend gewesen zu sei wie Ausbrüche von Supervulkanen, etwa Toba oder Thera/Santorin. Das waren wirklich historische Katastrophen, und selbst die Thera-Explosion hat in der Region keinesfalls verheerende Verwüstungen ausgelöst – am schlimmsten sah's noch an der Nordküste von Kreta aus, wo die Welle bis zu einer Scheitelhöhe von 15m gegen die Küste schlug (in dieser Höhe gibt’s entsprechende Ablagerungen). Der hypothetische Einschlag 2807 BC dürfte nicht annähernd diese Gewalt gehabt haben.

Die schlimmsten Verheerungen treten eigentlich an Stellen auf, wo eine schmale Landbrücke den Ozean von einem Binnensee oder Binnenmeer trennt, so wie das einst am Bosporus und an der Straße von Hormuz der Fall war. Da reicht ein schweres Erd- oder Seebeben, verbunden mit einem Megatsunami, um so eine Landbrücke einfach wegzusprengen wie ein lästiges Hindernis. Auch die holländischen Deiche könnten schwer zu Schaden kommen, aber in der Nordsee passiert da nicht viel, weil es dort keine Erd- und Seebeben gibt und ein Atlantik-Tsunami von England abgefedert wird. Aber der Atlantik ist ein durch und durch ruhiger Ozean, völlig anders als Indik und Pazifik.
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