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Alt 14.01.2010, 18:07   #18
Atlantologe
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Bin durch Zufall über diesen Thread gestolpert. Hab eigentlich aktuell viel Arbeit am Hals und entsprechend wenig Zeit, aber bei den Statements von perfidulo stellen sich mir die Nackenhaare auf angesichts so viel blauäugiger Naivität. Entweder hat der Autor seit 4 Jahren nicht mehr die Zeitung gelesen, oder er meint ein anderes China. Ich hasse China wie die Pest, selbstverständlich nicht die Leute, sondern das Regime. Anlass genug, angesichts sich häufender aktueller Ereignisse dem Thread mal einen neuen Drall zu geben.

Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
China wird sich vor allem um die eigene Bevölkerung kümmern, die zum Teil auf dem Land in schrecklicher Armut lebt, und hat keine imperialistischen Ambitionen, wie immer behauptet wird.

Und wie sich China um die eigene Bevölkerung kümmert!, besonders in Tibet und Xiniang, und ganz besonders um die aufmüpfigen Dissidenten. China kümmert sich so sehr um seine Bevölkerung, dass Exekutionen von Dalai-Lama-Sympathisanten und zehnjährige Haftstrafen für Menschen, die ihre Meinung sagen, an der Tagesordnung sind, von Internetzensur ganz zu schweigen. Das Regime kümmert sich so intensiv um seine eigene Bevölkerung, dass jeder jeden bespitzelt und man nur als linientreue, affirmative Marionette seine Ruhe hat. China ist – sorry, aber jede andere Bezeichnung wäre zu viel der Schmeichelei – Faschismus in Reinkultur.

Keine imperialistischen Ambitionen? Erneut die Frage, ob du nicht die Zeitung liest. Das Militär arbeitet zurzeit an einem System zur Abwehr ballistischer Raketen, um sich militärisch unverwundbar zu machen und sein Atomwaffenarsenal munter auszurüsten. Und wenn sie glauben, weit genug zu sein, werden sie als erstes mal Taiwan einkassieren.

Aber damit nicht genug. Mittel- bis langfristig strebt China die Weltherrschaft an. Wenn es sich finanziell, wirtschaftlich und militärisch stark und unverwundbar genug fühlt, wird es den geringsten Vorwand nutzen, um gegen die USA einen Atomkrieg zu führen. Denke mal, in 25–30 Jahren dürfte das wohl der Fall sein. Amerika ist im Vergleich zu Ostasien und besonders China eine absteigende Macht, so wie vor einem Jahrhundert England und sein Commonwealth. Es hat einfach nicht die Ressourcen an Menschen, Kapital und demnächst (in einigen Jahrzehnten) auch human capital (Intelligenz) und Militärmasse, um sich messen zu können und erfolgreich dagegen zu halten und den vergleichsweisen Abstieg gegenüber China aufzuhalten. Schon heute erleben wir fast täglich chinesische Provokationen (gegenüber dem Westen), die ganz gezielt gestreut werden um zu demonstrieren, dass sie sich von niemandem und am wenigsten von Barack Obama was sagen lassen.

China ist die imperialistische Großmacht par excellence, die dabei ist nach den Sternen zu greifen und nichts und niemanden, auch nicht die USA, auf Dauer neben sich zu dulden. Von daher erinnert sie mich an das Deutsche Reich in den Zeiten von 1888–1945. Aber es wird die Fehler des Wilhelminischen Reichs und des "Dritten Reichs" definitiv vermeiden, um selbst keine Angriffsflächen zu bieten, vor allem, solange es noch nicht so weit ist, dass es sich mit dem Rest der Welt unter Erfolgsgarantie militärisch messen kann.

Denn China weiß heute schon, dass sich die USA auf ne Koexistenz unter Gleichen niemals einlassen werden, solange dieses Regime des "roten Faschismus", das seit mehr als einem halben Jahrhundert die Menschenrechte verhöhnt und mit Füßen tritt und Demokratie für ne Verirrung westlich orientierter Regierungsformen hält, an der Macht ist und bleibt.

Fakt ist einfach, dass China aufgrund seiner Menschenmassen und seines jetzt schon gigantischen Kapitals (als Exportweltmeister in die ganze Welt) in 10–15 Jahren die USA auch vom Bruttosozialprodukt her überflügelt haben dürfte, und in 25–30 Jahren (spätestens) auch technologisch. Ob Chinesisch die kommende Weltsprache wird? Who knows… Das Einzige, was China binden und ein ganz klein wenig in Schach halten könnte, ist der Fakt, dass es ein vergleichsweise rohstoffarmes Land ist, auch in Bezug auf Erdöl, und von daher noch sehr lange auf die Welt jenseits der Großen Mauer angewiesen sein dürfte, und dies auch weiß.



Nachtrag:
Hab die 3 Links leider nicht korrekt verknüpfen können, daher hier noch mal gesondert:

http://www.spiegel.de/politik/auslan...669014,00.html
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzp...671636,00.html
http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...671456,00.html

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Geändert von Atlantologe (14.01.2010 um 18:46 Uhr).
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