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Alt 14.08.2017, 13:04   #1
basti_79
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Standard CambridgeCore: Implication of our technological species being first and early

Bei Felix von Leitner gibt es einen Link auf einen schönen Artikel über das Fermi-Paradoxon. Fefe schreibt dazu:

Zitat:
Endlich gibt es eine Antwort auf das Fermi-Paradox: Wenn es so viele Sonnen wie unsere gibt, und so viele erdähnliche Planeten um eine solche Sonne herum, wo sind dann die ganzen Aliens?

Und die Antwort ist: Genau wie wir, die haben sich selbst umgebracht. Atomkrieg oder Global Warming oder so.

Finde ich einleuchtend. Wieso sollten nur wir so blöde sein, uns selbst umzubringen.
Meiner Meinung nach unterstellt der Autor, Daniel Whitmire, wenigstens folgende (unbelegte und unbelegbare und manchmal auch schlicht falsche) Hypothesen:
  • Technologische Entwicklung hat kein Ende und führt entweder dazu, dass man mit anderen Zivilisationen Kontakt aufnimmt, oder dazu, dass der Planet vernichtet wird.
  • Die Evolution ist im wesentlichen beendet, zukünftige anatomische Anpassungen sind nicht zu erwarten.
  • Menschliche Eingriffe in die Umwelt können eine Tragweite erreichen, die z.B. dem Aufkommen des atmosphärischen Sauerstoffs entsprechen (dieser hatte damals ein Massensterben unter Ur-Lebensformen bewirkt).
  • Geologische Prozesse verlaufen so langsam, dass sie z.B. den CO2-Anteil der Atmosphäre nicht beeinflussen. Insbesondere können in den diskutierten Zeiträumen keine neuen fossilen Energieträger entstehen.
Meiner Meinung nach sind all diese Annahmen falsch. Dazu kommt, dass Whitmire so einen gewissen Fatalismus mitschwingen lässt, dass die Menschheit schon auf dem besten Wege ist, sich selber (und das ganze andere Leben noch mit dazu!) auszulöschen. Abseits der Tatsache, dass das offensichtlich ein kulturell vermitteltes Klischee zu sein scheint (vgl. alle möglichen Endzeitvisionen), scheinen seine Ausführungen ohnehin eher gesellschaftswissenschaftlicher/politischer Art zu sein als rational begründet, mithin naturwissenschaftlich.

Im Paper wird nur auf Parameter "L" der Drake-Gleichung eingegangen, auf die Lebensdauer einer Zivilisation. fc dagegen, die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Zivilisationen auch tatsächlich Kontakt haben, wird völlig ignoriert. Es scheint, als ob Whitmire davon ausginge, dass wir doch jetzt endlich mal Erfolg haben müssten bei der Suche nach ausserirdischen Zivilisationen.

Am bizarrsten gleitet er in der Mitte ab.

Zitat:
Implication of the observation that we are early in the potential evolution of a technological species
Das ist eine der Überschriften der schrägen Abschnitte. Erst einmal unterstellt er da wieder, dass man beobachtet hätte, dass wir "früh" in der "potentiellen Entwicklung" einer technologischen Spezies wären. An der Stelle würde ich jetzt gerne nach Quellen fragen, aber ganz am Anfang führt er aus:

Zitat:
However, for the basic arguments presented here, we need to assume only that our technological species is typical in two ways:

(1) that we are the first technological species to evolve on the Earth and

(2) we are early in our technological evolution.
Ganz unten kommt er dann dazu, dass es eine Ähnlichkeit gäbe zwischen dem "German Tank Problem", der Frage der Einzigartigkeit von Geschichte bzw. des Augenblicks, und der Frage der Lebensdauer von (technologischen) Zivilisationen.

Ich hätte nicht erwartet, solch einen Vergleich jemals zu lesen.

Also, die B-Note ist sicherlich eine 1. Das ist ja wunderschön formuliert. Bloss bei der Argumentation hapert es halt ein bisschen.

Lustig ist auch der Verlag:

Zitat:
Cambridge Core - the books and journals platform from Cambridge University Press replacing Cambridge Journals Online (CJO) and Cambridge Books online
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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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