Thema: Eine Utopie
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Alt 29.05.2017, 16:57   #39
basti_79
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Hier noch mal ein paar Kommentare auf ein weitere Sekundärquelle zu Wagenknechts Bullshit-Buch.

http://www.wissenbloggt.de/?p=32689&print=pdf

Zitat:
Also keine leistungslosen Millioneneinkommen aus Betriebsvermögen mehr, die auf der Arbeit anderer beruhen.
  1. Welcher Betriebsgewinn beruht nicht auf der Arbeit anderer (als der Investoren/Kapitalisten im Sinne Marx')?
  2. Wie ordnet man Einkünfte aus Zwangsarbeit in diese Perspektive ein?
Zitat:
Und keine Vererbbarkeit der Kontrolle über Unternehmen.


Also, klar, was sie meint, aber wie soll denn das funktionieren? Die Luschen mit den Roben können nicht einmal die Menschenrechte durchsetzen, wie sollten sie sich (auch nur rein theoretisch) gegen einen Großbesitzer verteidigen?

Zitat:
Es sei falsch, wenn Unternehmen heute Anlageobjekte sind, die in erster Linie der Geldvermehrung ihrer Anteilseigner dienen.
Theoretisch korrekt, aber völlig realitätsfern. Wozu sollten Unternehmen sonst dienen? Viele müssen schuften, damit wenige profitieren, als Alternative gibt es den Hungertod oder Zwangsarbeit. So funktioniert der Kapitalismus eben.

Zitat:
Unternehmen brauchen nicht notwendigerweise externe Eigentümer, bloß effektive Kontrolle des Managements.
Das mit der Ausbeutung hat mit der Frage, ob die Eigentümer "extern sind", d.h. dem Betrieb nicht selber angehören, überhaupt nichts zu tun. Es gibt auch Kapitalisten (und Ausbeuter), die in ihrem Betrieb mitarbeiten, und sogar Selbstausbeutung.

Zitat:
Das sollten Leute sein, die an einer langfristig guten Unternehmensentwicklung interessiert sind, was für die heutigen Eigentümer oftmals nicht zutreffe.
"Unternehmensentwicklung" bedeutet: Steigerung des Profits. Das geht nur auf Kosten der Arbeitnehmer. Die gesuchten Leute wohnen also im Auenland, gleich bei den Einhörnern.

Zitat:
Das spreche dafür, die Kontrollorgane aus gewählten Vertretern der Belegschaft zusammenzusetzen. Dazu wird die Mitarbeitergesellschaft diskutiert:
"Kontrollorgane"?

https://de.wikipedia.org/wiki/Betriebsrat
https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtsbarkeit
https://de.wikipedia.org/wiki/Gewerkschaft

Die Betriebsräte und Gewerkschaften wurden in den 50ern entmündigt, bzw. haben sich teilweise schlicht und einfach selbst entsorgt.

Zitat:
Eine solche echte Mitbestimmung auch in wirtschaftlichen Angelegenheiten konnte leider im Laufe der 50er Jahre nicht aufrechterhalten werden.
http://www.igmetall-hannover.de/aktu...rat-bei-wabco/

Zitat:
Im August 1951 veranstalteten Arbeiter in der Kupferschmiede einen Sitzstreik wegen Akkorddifferenzen. Der Betriebsrat verurteilte scharf die Unrechtmäßigkeit der Mittel und meinte, es gäbe andere Mittel, das Problem zu lösen.
(Unrechtmäßiger Streik?!)

Ausserdem, zur Frage eines demokratischen Unternehmens:
  1. Warum gibt es in Deutschland kein einziges Unternehmen, das "von unten" demokratisiert werden konnte?
  2. Warum sind alle Unternehmen autoritär (tw. totalitär oder auch toxisch) strukturiert?
Zitat:
Wagenknecht verlangt auch dort [in der "digitalen Wirtschaft"] gemeinnützige Anbieter.
...sprach das Traditionsmitglied einer Partei, die seit 20 Jahren jedem Versuch von Digitalisierung mit Paranoia, Feindseligkeit und der Unterstützung des überkommenen Systems begegnet.


Zitat:
Auch müsse eine Neugestaltung des Finanzsektors erfolgen, denn solange der von Zockerbuden dominiert wird, könne es keine vernünftige wirtschaftliche Entwicklung geben.
  1. Nicht nur "der Finanzsektor" (damit meint man üblicherweise den Sortenhandel) müsste "neu gestaltet" werden, sondern alles, was Banken betrifft.
  2. Es ist im Kapitalismus nicht möglich, zwischen "Zockerei" und "Investition" zu unterscheiden. Stattdessen sollte man Investoren zur Verantwortung ziehen für Ausbeutung und anderen Missbrauch von Machtverhältnissen.
  3. "wirtschaftliche Entwicklung" (Steigerung des BIP) kann nur ein untergeordnetes Ziel sein. Wichtiger sind meiner Meinung nach die Durchsetzung der Menschenrechte, der Abbau von Zwangsarbeit und die Normalisierung der Rechtsprechung.
Zitat:
Das geht nicht gegen den Wettbewerb. Davon gäbe es nach Wagenknechts Vorstellungen mehr, weil Kapitalgesellschaften die wirtschaftliche Konzentration massiv befördern.
Das ist ein weiterer Beleg für die durch Marx21 beigetragene These, Wagenknecht sei wenigstens Akzelerationistin. Wettbewerb ist die Ursache für Ausbeutung.


Zitat:
Die Diskussion sei möglich, ob man zurückregulieren könne und den Kapitalismus wieder bändigen und sozial verträglich machen könne.
Na, das freut mich aber. </ironie>


Wenn die Linke nicht bald aufhört, zu schwadronieren, und keine "Butter bei die Fische" tut, muss es zu den (rhetorisch gefragten) Katastrophen kommen.



Zitat:
Zu bedenken sei allerdings, welch schlimmer Katastrophen es bedurfte, um dem Kapitalismus ein wohlfahrtsstaatliches Modell abzuringen.
Wohlgemerkt existiert heutzutage kein "Wohlfahrtsstaat" mehr. Spätestens seit Durchsetzung der "Agenda 2010" lautet das Ziel der Behörden wieder: Vernichtung durch Arbeit.



Zitat:
Wir wollen doch nicht nochmal eine Weltwirtschaftskrise, eine Nazi-Diktatur und zwei Weltkriege erleben. Selbst dann sei die Frage, wann kommt wieder der Neoliberalismus hoch?
Ah, da liegt der Hase also im Pfeffer. Wagenknecht ist eine Akzelerationistin. Sie hofft, dadurch, dass man die Daumenschrauben noch etwas fester anzieht, würde der Unmut in der Bevölkerung so weit wachsen, dass es zur Revolution käme - mit ihr und ihren Spießgesellen als fahneschwenkenden Galionsfiguren. Und selbst unter dieser idiotischen Idee hält sie der Kapitalismus noch für eine Art Hydra, dem selbst unter extremen Umständen gar nicht beizukommen sei.



Zitat:
Die private wirtschaftliche Macht in den Händen Weniger und die Demokratie als Vertretung der Mehrheitsinteressen seien ein Widerspruch.
Ja, selbstverständlich.


Das kommt doch aber nicht dadurch zustande, dass das parlamentarische System nichts taugt. Das kommt mitunter dadurch zustande, dass Wagenknecht und Konsorten eine Oppositionssimulation fahren und mit dem Finger auf irgendwelche nützlichen Idioten zeigen. Politik geht nun einmal anders.


Die Opposition in einem Parlament muss danach streben, die Stimme der Mehrheit der Bevölkerung wiederzugeben. Nicht die Beschwichtigungsversuche der Koalition reproduzieren und dann nölen, dass die Leute so einen Scheiß gar nicht mehr hören wollen. Oder dass die SPD das noch besser könne, weil sie ja zur Zeit in der Koalition wären.





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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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