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Alt 09.09.2013, 12:20   #1
Der Phoenizier
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Idee Immortalis - Gedanken zur Unsterblichkeit

Dieser Thread bezieht sich auf den Roman Immortalis von Raymond Khoury. Nur vordergründig ist das ein spannender Abenteuerroman, und den Verlauf der Handlung überlasse ich denjenigen, die sich Zeit dafür nehmen. Zusammengefasst ist es ein Gedankenspiel über das sich trefflich diskutieren lässt.

Der Protagonist kennt ein wundersames Kraut und wird relativ unsterblich. Genauer gesagt, umfasst der Zeitraum der Handlung 400 Jahre, und was danach kommt, wissen wir nicht. Der Protagonist wird wiederum nicht glücklich, denn nun leidet er unter dem Tod anderer Menschen. Das sind solche, die er geliebt hat und auch solche, die ihm helfen können. Weil dieses Kraut nicht glücklich macht, will er bestimmte Informationen geheim halten. Das wäre die botanische Beschreibung und der Ort, wo man es findet. Andere wollen ihm das Geheimnis entreißen und das führt zur abenteuerlichen Handlung.

Die Definition des Autors ist sehr weit gefasst. Er bezeichnet jeden Tod als “unnatürlich” wenn man ihn auch nur theoretisch vermeiden könnte. Das wundersame Kraut wächst ausgerechnet im Irak und das ist eine gefährliche Gegend. Im Roman sterben einige Menschen durch Schusswechsel. Um diese Todesart zu vermeiden, müsste man perfekten Frieden schaffen. Allein schon das wäre eine Utopie, und es reicht nicht aus, nur den Irak zu befrieden. Im weiteren Sinne wäre ein Tod bereits dann “unnatürlich”, wenn der Mensch nicht zum richtigen Zeitpunkt die richtige Hilfe bekommt. Diesen Roman betrachte ich auf drei Ebenen:

1) Abenteuerlich: Niemand glaubt, dass der Protagonist tatsächlich vor 400 Jahren geboren wurde. Er fälscht sein Geburtsdatum, nur um einen glaubwürdigen Lebenslauf zu bekommen. Die Vorstellung ist abenteuerlich, dass ein Mensch Urkunden fälschen muss, weil er die Wahrheit nicht nachweisen kann.

2) Medizinisch: Der Autor bezieht sich auf Altersschwäche, denn darauf läuft der Gedankengang hinaus. Wenn wir alle anderen Todesarten ausschließen, dann bleibt nur noch Altersschwäche. Stellen wir uns vor, das wäre eine heilbare Krankheit…

3) Philosophisch: Die Unsterblichkeit bleibt Utopie, weil wir uns dazu eine heile Welt denken müssen. Dann dürfte es keine Kriege und keine Verbrechen mehr geben. Jeder Mensch auf der Welt müsste Zugang zur modernsten medizinischen Versorgung haben. Diese Utopie haben wir nicht. Selbst wenn es das Mittel gäbe, dann würden nur ganz wenige Menschen ihr Schicksal so erleben, wie es der Protagonist im Roman erlebt. Nun stelle ich die Frage in den Raum: Ist diese Art von Fortschritt wünschenswert?

Im weiteren Verlauf der Diskussion bitte ich, von der heutigen Realität auszugehen. Viele Tode sind nur theoretisch vermeidbar. Praktisch fehlt uns die Möglichkeit. Somit ist der “unnatürliche” Tod relativ. Wenn der Arzt nicht kommen kann, gibt es dafür sehr natürliche Gründe.
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Cuiusvis hominis est errare, nullius nisi insipientis in errore perseverare. (Cicero)
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