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Alt 28.12.2009, 12:31   #5
basti_79
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Ich würde Sakslanes Argumentation noch erweitern:

Da Elektromagnetische Phänomene zwei Pole haben, und sich beidesmal zwischen den je zwei Polen eine Anziehung einstellt (im Falle des Magnetismus ist das Argument etwas komplizierter als bei der Elektrostatik), tendiert die Mechanik des Universums dazu, Ladungen und Magnetfelder zum Ausgleich zu bewegen. Wenn wir eine gigantische, gravitativ gebundene Staub- oder Gaswolke haben, werden sich darin die positiv geladenen Staubteilchen negative suchen und umgekehrt, Elektronen finden in Orbitale und das Ergebnis ist neutral. Sollte Ladung übrigbleiben, ist eine entsprechend entgegengesetzte Ladung vermutlich irgendwo in der Nähe, da das Universum am Anfang im grossen und ganzen neutral gewesen sein muss. Das heisst, ja, es gibt elektrische Ströme und magnetische Anziehung im Universum, möglicherweise sogar gewaltige, aber immer nur kurzfristig, die sich in gewaltigen Phänomenen bei gigantischen Temperaturen in tolerantere Energieformen wie zum Beispiel Licht oder Bewegung umwandelt.

Da ist auch ein thermodynamisches Argument dabei: durch die hohen Energien dieser Erscheinungen führen sie recht bald zu einem neutralen Zustand. Insgesamt führt das dazu, dass die elektrischen und magnetischen Erscheinungen auf grosse Entfernung nur den Hauch einer Rolle spielen. Sie schirmen sich in einem immerwährenden Wechselspiel voneinander ab, und in jeder "Generation" von Erscheinungen (man messe elektrische und magnetische Phänomene in der Sonne, in ihrer Atmosphähre, in der nähe der Erde, zwischen den Planeten, weitab von Sternen, weitab jeder Galaxie usw.!) werden sie schwächer.

Die Gravitation hat hingegen nur einen Pol und kann nicht "neutralisiert" werden. Kleine Objekte (unterhalb von Planetengrösse) beeinflussen sich jedoch gegenseitig nur unmerklich über unglaublich lange Zeiträume, so dass dieser Einfluss überhaupt nur zu erkennen ist, wenn entweder riesige Materiemengen zusammenkommen (und womit es dann recht ungemütlich wird) oder man eine ganz lange und genaue Beobachtung anstellt. Die Gravitation macht alles in Zeitlupe. Wo unterschiedliche Ladung dazu führt, dass ein Elektron im Ozean des Raums auf Kilometer Entfernung ein Atom findet, mit grosser Wucht darauf zustürzt und von Quanteneffekten dazu gezwungen wird, die Energie, die nicht in das Atom passt, in einem Augenblick wegzuleuchten, kullert ein ganzer gravitativ gebundener Planet ganz gemächlich auf der sachten Krümmung seiner Bahn daher, weitab von den Lichtbögen der Oberfläche seines Sterns und wird von gar nichts aus der Bahn gebracht - jedes Ding in der Nachbarschaft ist längst vorher durch den sanften Zug der Gravitation Bestandteil des Planeten oder seiner Vorgänger geworden.
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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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