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-   -   Der Einfluss des Klimas auf antike Völker (http://forum.grenzwissen.de/showthread.php?t=23664)

ElLobo1 05.01.2017 16:36

Der Einfluss des Klimas auf antike Völker
 
In diesem Thema möchte ich den Faktor Weltklima ansprechen. Und zwar in Hinsicht darauf, welchen Einfluss das Wetter auf das Entstehen und Vergehen von Kulturen hat.
Die Archäologen unterteilen die Geschichte der Menschheit gerne mit einer Abfolge von verschiedenen Kulturen. Etwa das zu jenem Zeitpunkt die Tonscherbenkultur X hier vorgeherrscht hat, oder zu einem anderen Zeitpunkt die Kultur Y die Vormachtsstellung errungen hat. Doch nichts wird über den Grund dieser Entwicklungen gesagt.
Zugegeben, wird sich nicht immer ein ausreichendes Faktum für eine solche Veränderung finden lassen, doch gibt es doch immer mehr ÜBereinstimmungen bei Datierungen von Wetterphänomänen und Völkeränderungen.
Dazu vielleicht drei Beispiele, die Ihr sehr kritisch kommentieren könnt, mir aber schlüssig erscheinen:

These 1: Das Ende des Alten Ägyptischen Reiches etwa im Jahr 2200 vor Christus ist durch eine Dürre ausgelöst worden, bei der sogar der Nil fast versiegt ist!
Durch Untersuchungen von meeressedimenten weiß man, dass zu jenem Zeitpunkt die nördliche Packeisgrenze sehr viel weiter südlich als heute lag, und daher auch der Golfstrom im Atlantik versiegt ist, was eine grundsätzliche Auswirkung auf das globale Wetter gehabt haben muss. Zusätzlich hat sich dabei die Sahara bis an den Rand des heutigen Niltales ausgebreitet.

These 2: das Mittlere Ägyptische Reich wurde etwa im Jahr 1600 vor Christus durch die Folgen des Santorin-Ausbruches soweit geschwächt, das das Volk der Hyksos aus dem Osten einfallen konnte, um halb Ägypten zu erobern.
Die ägyptische Grenzfestung Taru an der Grenze zu Kanaan wird davor durch einen Tsunami zerstört. Die Ägyptischen Plagen nach der Vulkankatastrophe macht sich ein Mann namens Moses zunutze, indem er mit seinem Volk gegen den Willen seines (Stiefbruders Amose?) Ägypten verlässt.
Ist die Vernichtung der ägyptischen Verfolger vielleicht durch einen weiteren Erdbebentsunami erklärbar, bei dem ja zunächst sich das Wasser von der Küste zurück zieht, um dann später mit Urgewalt wieder zurück zu kommen?
Ein solcher großer Vulkanausbruch hat sicherlich große lokale klimatische Konsequenzen!

These 3: Um das Jahr 300-100 vor Christus herum. Ist das Ende der Römischen Republik(Bürgerkrieg) und der Beginn der römischen Kaiserzeit Folge einer Dürre, die auch das Ende der Seemacht des großen Reiches von Karthago eingeläutet hat?

Gibt es dieses Muster aus wiederkehrenden Dürren wirklich, vielleicht sogar mit periodischen Schwankungen? Und ist dieser Einfluss so stark, dass Völker gesprengt werden können? Wenn ja, dann sollte es auch derartige Zwischeneiszeiten geben, wie Indizien ja vermuten lassen...
Ist es vielleicht eine Folge des Pendelns der Erdachse?

Was sagt Ihr dazu? Ich habe schon öfters dementsprechende Einzelberichte gelesen, doch irgendwie geht das immer unter.

Und hier habe ich noch einen Link zum Thema Paläoklimatologie, und einem Ereignis, das vor etwa 5200 Jahren stattgefunden haben muss, weil es weltweite Anzeichen in den Eisbohrkernen dafür gibt:
https://www.youtube.com/watch?v=cz8DB8ofzCU
Das erinnert daran, dass es auch Klimafakten gibt, die unberechenbar sind...

Nobby Nobbs 06.01.2017 16:34

Einfluss des Klimas auf Geschichte
Kleine Google-Suche.
Sorry, bin grade etwas schreibfaul.

Sakslane 06.01.2017 17:47

Ich bin sicher kein Experte auf dem Gebiet, das nur vorweg. Ich habe auf ZDF mal eine Dokumentation aus der Reihe Terra X mit dem Namen "Klima macht Geschichte" gesehen, die ich als Laie sehr interessant fand und auch durchaus empfehlen würde. Die Fragestellung deckt sich praktisch mit dem Thema dieses Threads (auch wenn nicht unbedingt die gleichen Kulturen angesprochen wurden). Von daher wage ich zu behaupten, dass der Zusammenhang zwischen Klima und Geschichte durchaus erforscht wird.

perfidulo 06.01.2017 18:08

Darauf kannst Du Gift nehmen, dass das untersucht wird. Alles was mit Klima zusammenhängt, ist total angesagt in der Wissenschafts-Community.

Nobby Nobbs 06.01.2017 18:48

Hallo Sakslane, hier kannst du sie noch mal sehen, wenn du willst:
Klima macht Geschichte 1/2

Die Problematik sehe ich auch wie Perfidulo, das Thema dürfte keinesfalls unbeachtet sein. In jedem Fall dürfte eine Verarbeitung desselben in deinem Roman, ElLobo, dessen Plausibilität positiv beeinflussen.

ElLobo1 06.01.2017 19:27

Vielen Dank für den Hinweis auf die Doku "Klima macht Geschichte", Nobby Nobbs. Die kannte ich noch nicht. Ich werde den Inhalt dieser Sendungen demnächst näher untersuchen, um Verbindungen zu sehen :)

ElLobo1 08.01.2017 12:10

Gobero - Endlich ein konkreter Hinweis zum Thema alte untergegangene afrikanische Königreiche.
Afrika besteht ja nicht nur aus dem alten ägyptischen Reich.
Denn ich glaube schon lange, dass Afrika zu früheren Zeiten eindrucksvolle und mächtige Reiche gehabt haben muss, von denen wir heute fast nichts mehr wissen. Nur einige alte Legenden, die kaum näher greifbar sind, vermitteln uns ein Bild davon. Deshalb sind archäologische Funde in diesem Kontinent auch so wichtig.
Was wissen wir denn schon von diesen alten Reichen, selbst wenn sie gar nicht so weit in der Vergangenheit liegen.
- etwa vom aksumitischen Reich in Ostafrika(Da'amont)
- dem nubischen Reich von Kerma am Obernil
- dem karthagischen Reich in Nordafrika, welches aus dem numidischen Reich hervor gegangen ist, und sicher gleich mächtig wie das spätere römische Reich war
- dem sagenhaften Reich von Punt irgendwo in Ostafrika, ich vermute gar auf Madagaskar
- dem Reich von Agisymba (Tschad?)
- oder der altgriechischen Kolonie von Santorin in Lybien, Kyrene(600 v.Chr.)
- dem Songhaireich in der westafrikanischen Timbuktu-Region, welches zeitgleich mit der europäischen Entdeckung der Karibik durch Kolumbus existierte
- oder auch der heute noch eindrucksvollen steinernen Ruinenstadt vom ehmaligen Reich von Groß-Simbabwe...

Afrikas Geschichte ist reich gegliedert und uralt - auch wenn wir Europäer davon kaum etwas zu wissen scheinen.

Sakslane 08.01.2017 16:33

Ist das Karthagische Reich nicht aus dem der Phönizier hervorgegangen, die am östlichen Ufer der Mittelmeers angesiedelt waren? (Ich weiß es gerade nicht genau, ich erinnere mich nur dunkel.) Apropos, es gab auch eine ZDF-Doku namens "Die Karthager" aus der Reihe Terra X.

Ceteram censeo Carthaginem esse delendam.

Lupo 08.01.2017 17:21

Zitat:

Zitat von Sakslane (Beitrag 215457)

Ceteram censeo Carthaginem esse delendam.

Cato der Ältere. :D

perfidulo 08.01.2017 18:59

Ihr solltet mal anfangen, Euer Wissen über die Antike nicht nur aus obskuren "Dokus" im Fernsehen zu schöpfen. Da gibt es Berge von Fachliteratur.

Übrigens auch zu den Reichen in subsaharischen Afrika. Aber das waren bisher Orchideenfächer, für die sie kein Schwein interessiert hat. Die fremdaprachigen Versionen von Wikipedia sind oft eine gute Quelle für den Anfang.


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