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-   -   Riesenkrater in Schmalkalden (http://forum.grenzwissen.de/showthread.php?t=14355)

Schnurps 05.11.2010 08:06

Riesenkrater in Schmalkalden
 
Merkwürdig, dass bisher noch niemand dieses Thema aufgegriffen hat? :confused:


Zitat:

Gegen drei Uhr am Montagmorgen [01.11.2010] sackte der Boden plötzlich weg, seitdem sind Polizei und Feuerwehr im thüringischen Schmalkalden im Großeinsatz: Das Erdloch in einem Wohngebiet sei auf die Größe von 30 mal 40 Metern angewachsen, teilte die Polizei mit. Mindestens ein Auto wurde in die Tiefe gerissen.
Quelle

Die wichtigste Frage scheint mir dabei zu sein: WOHIN ist das Erdreich verschwunden?
Wenn es in einem Trichter nach unten rauscht, dann bedeutet das doch, dass sich darunter ein Loch befunden haben muss, das mindestens genauso so groß war wie der entstandene Trichter (vermutlich eher größer). Daraus entstehen weitere Fragen: Was ist aus dem Material geworden, das bisher diesen (unteren) Hohlraum füllte; und wieviel Material könnte auch später noch nachrutschen, vielleicht sogar nachdem der Trichter bereits verfüllt wurde?

Hätten nicht als allererstes vor dem Wiederauffüllen zunächst einmal Probebohrungen unterhalb des entstandenen Kraterlochs stattfinden müssen?
(...oder hab ich da irgendwas in den Medien verpasst...?)

Llewellian 05.11.2010 11:42

Es wurde hier nicht aufgegriffen, weil das ein stinknormaler Erdfall ist. Der in Deutschland und der Welt täglich vorkommt und so gut untersucht ist wie sonstnochwas.

http://de.wikipedia.org/wiki/Erdfall

http://www.thueringer-naturbrief.de/...Itemid=104#5-1


Bei uns hier zwischen Alpenvorland und Schwäbischer Alb haben wir mehr Erdfälle und Dolinen pro Quadratkilometer als der Mond Krater hat. Das kommt schon gar nicht mehr in die Zeitung, wenn mal am Abend auf der Wiese eine Kuh fehlt.

Schnurps 05.11.2010 12:02

Zitat:

Zitat von Llewellian (Beitrag 132382)
ein stinknormaler Erdfall

Falls mich diese Mitteilung in irgendeiner Weise beruhigen sollte, dann muß ich sagen, daß dies gründlich mißlungen ist. http://cosgan.de/images/smilie/konfus/n020.gif

Zitat:

Das kommt schon gar nicht mehr in die Zeitung, wenn mal am Abend auf der Wiese eine Kuh fehlt.
Dann ist also die Tasache, daß ausgerechnet dieser Fall bundesweit in den Medien verbreitet wurde, lediglich der Saure-Gurken-Zeit geschuldet?! http://cosgan.de/images/smilie/konfus/a015.gif

Groschenjunge 05.11.2010 12:35

Hi,

Zitat:

Zitat von Schnurps (Beitrag 132383)
Dann ist also die Tasache, daß ausgerechnet dieser Fall bundesweit in den Medien verbreitet wurde, lediglich der Saure-Gurken-Zeit geschuldet?! http://cosgan.de/images/smilie/konfus/a015.gif

Nö, aber es sieht cool aus, wenn da mitten zwischen den Gartenzwergen sich ein Loch im Boden "meldet". Die Fälle in der freien Natur sieht doch niemand.

Bleib locker, ich komme aus dem Ruhrgebiet. Da lernt man, mit Bergschäden zu leben, die sich auch mal als oberirdische Löcher bemerkbar machen können.

http://www.fr-online.de/panorama/zwi...8/-/index.html
http://www.wdr.de/themen/panorama/be...egerland.jhtml
http://www.wdr.de/themen/panorama/be...bersicht.jhtml

So selten ist das nicht.

-gj

Schnurps 05.11.2010 15:44

Zitat:

Zitat von Groschenjunge (Beitrag 132385)
Bleib locker

Okay, also Untertagebau soll ja angeblich dort in Thüringen auszuschließen gewesen sein.
Aber wenn schon nach einer "Allerweltslösung" gesucht wird, dann bevorzuge ich doch eher diese hier. :rolleyes:

*TGIF* Schönes Wochenende noch.

Llewellian 06.11.2010 15:12

Naja, Schnurps,

die Gegend zwischen Spessart und Harz in Thüringen sind ähnlich wie in der Gegend um Regensburg bzw. in der Gegend der Schwäbischen Alb Muschelkalk-Ablagerungsgebiete (siehe dazu Seite 8 auf diesem Geologiebericht über diese Gegend):

http://www.meiningen.de/media/custom/1226_118_1.PDF

Erdfälle und Dolinen kommen da ganz einfach vor.

Nicht unbedingt so krass wie in den dicken Thethis-Meer Kalkschichten von Kroatien, wo sich z.T über 1000 m tiefe Löcher auftun aufgrund der Verwitterung, aber auch ein 10 m tiefes Loch verschluckt erstmal ein Haus ;o).

Das sich Gestein durch Regenfluss auflöst (manches leichter, manches weniger leicht) ist absolut normal. Was glaubst du, warum du beim Kaffeekochen sonst dauernd die Kalkablagerungen im Topf hast? Irgendwo aus der Erde kommt das her. Und da fehlts dann. Es entsteht ein Loch, und das kann sehr lange einfach eine Höhle sein... oder gleich einbrechen. Dann hat man einen Erdfall. So entstanden zig Seen in ganz Deutschland.

Das das in der Gegend da auch nicht unbekannt ist, zeigt das gleich in der Nähe auch die sogenannten "Liebenroder Erdfallseen" liegen. Da badet man heute drin, wo vor Jahrhunderten die Erde eingestürzt ist.


Und warum das für mich so "normal" ist?

Schau dir mal das Bild hier an. Ist bei mir in der Gegend aufgenommen worden. Siehst du die ganzen Löcher?

http://www.geo.tum.de/lehre/workshop...htner_foto.jpg

Manche Bauern müssen innerhalb von ein paar Jahren bis zu 20 solcher Einbrüche wieder zuschütten wenn sie nur tief genug sind...

Und bei uns im Schwabenländle brechen Löcher von der Grösse eines Ackers ein...

http://www.kaltluftseen.de/img/dolin...stetten_02.JPG

Das regt bei uns in Süddeutschland nun wirklich keinen mehr auf.

Acolina 06.11.2010 17:42

Ja, Erdfälle haben wir hier bei mir in der Ecke auch. Als Kinder stiegen wir da gern runter und spielten, fanden es lustig, dass man vom Rand direkt rüber in die Krone der unten darin wachsenden Bäume klettern konnte. Für uns waren das Eingänge in verwunschene Höhlen ;)

Hier haben die Erdfälle sogar zur Gründung eines Kurbades geführt: Bad Seebruch
Zitat:

Aus dem Jahr 1753 stammt die erste Nachricht, dass eine Ziegenhirtin ihre Gicht in den Schwefelquellen von Bad Seebruch geheilt hat. 1818 wurde das erste Badehaus errichtet und Logiermöglichkeiten eingerichtet. Zuerst wurden Schwefelwasserbäder, anfangs kalt (15°C), später erwärmt durchgeführt, ab 1829 kommt das Moorbaden dazu. Es waren Kranke aus der näheren Umgebung, die in den Sommermonaten Linderung ihrer Leiden wie Gicht, Rheuma oder Gelenkschmerzen suchten ("Bauernbad"). Dabei kam es vor, daß sich bis zu 4 Patienten eine Wanne teilten. Auch Bad Seebruch entstand an einem Erdfall von cika 50 m Durchmesser, der von Schwefelquellen gespeist wurde und sich im Laufe der Jahrtausende mit Moor füllte. Heute werden im modernen Kurbetrieb Schwefelwasser- und Moorbäder angeboten, wobei der Moorbrei mit Schwefelquellwasser angerührt wird. Der Heiltorf stammt aus einem Moor bei Uchte und wird nach Gebrauch in den Moorlagern zwischengelagert und anschließend im Gartenbau und in der Landwirtschaft verwertet. Am 15.6.1970 brach der Moortrichter im Durchmesser von etwa 80 m und ungefähr 25 m Tiefe ein, riß das Brunnenhäuschen mit sich und zog angrenzende Gebäude in Mitleidenschaft, so daß sie abgerissen werden mußten. Der Trichter füllte sich schnell mit mineralischem Grundwasser, das anfangs in die Linnenbeeke abgepumpt werden musste. Heute dienen die neu entstandenen Quellen den Kurgästen. Der Erdfall wurde mit Schotter und tonigem, lehmigem Material aufgefüllt, der hier sichtbare Moorsee hat heute eine Tiefe von cirka 30 m und gibt einen guten Eindruck vom Versumpfen eines Sees und der Entwicklung der Moortrichter.
(Quelle)

Hier eine Seite dazu, auch mit Bildern vom letzten Erdfall, der nachmittags vor den Augen der Leute Teile der Kurhäuser versinken ließ: Die Erdfälle von Vlotho


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