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-   -   Eine Perspektive auf die "soziale Marktwirtschaft" (http://forum.grenzwissen.de/showthread.php?t=24206)

basti_79 11.06.2017 12:35

Eine Perspektive auf die "soziale Marktwirtschaft"
 
Hier könnt Ihr eine (meiner Meinung nach ganz gelungene) Perspektive auf die "soziale Marktwirtschaft" lesen. Verbesserungsvorschläge hat er auch keine (ausser etwas, was wie Anarchokapitalismus klingt), aber die Aussagen dieses Textes kann ich nachvollziehen.

http://www.wigeln.de/Page41.html

perfidulo 11.06.2017 13:01

Zitat:

Zitat von basti_79 (Beitrag 219694)
Hier könnt Ihr eine (meiner Meinung nach ganz gelungene) Perspektive auf die "soziale Marktwirtschaft" lesen. Verbesserungsvorschläge hat er auch keine (ausser etwas, was wie Anarchokapitalismus klingt), aber die Aussagen dieses Textes kann ich nachvollziehen. http://www.wigeln.de/Page41.html

Was soll daran neu sein?

Das haben wir "Kommunisten" in Westdeutschland immer gesagt. Wollte nur keine wahrhaben.

Lupo 11.06.2017 13:21

Also ich hatte nach den beiden ersten Absätzen keine Lust auch nur eine Zeile weiter zu lesen....

basti_79 11.06.2017 13:26

Zitat:

Zitat von Lupo (Beitrag 219699)
Also ich hatte nach den beiden ersten Absätzen keine Lust auch nur eine Zeile weiter zu lesen....

Warum denn?

Und warum sagst Du uns das?

perfidulo 11.06.2017 13:44

Zitat:

Zitat von Lupo (Beitrag 219699)
Also ich hatte nach den beiden ersten Absätzen keine Lust auch nur eine Zeile weiter zu lesen....

Hast Du nichts verpasst.

Wir haben die Erscheinungen seinerzeit als "staatsmonopolistischer Kapitalismus" bezeichnet (Stamokap) und das wurde auch in der SPD zumindest diskutiert.

Zitat:

Aber nicht nur in der Finanzwirtschaft sind wir meilenweit von einer Marktwirtschaft entfernt. Wir haben es beinah überall mit Monopolwirtschaft (Energie und Verkehr), Subventionswirtschaft (Landwirtschaft, Arbeitsmarkt), Vetternwirtschaft (Rüstung und Dienstleistungen), Schuldenwirtschaft, Schattenwirtschaft, Betrugswirtschaft, Zwangswirtschaft, Patentwirtschaft, staatlichem Dirigismus, Bürokratie, Korruption, Erpressung usw. zu tun. Und neben all dem haben wir auch ein bisschen Marktwirtschaft.

Lupo 11.06.2017 15:12

Zitat:

Zitat von basti_79 (Beitrag 219701)
Warum denn?

Weil ich einen wutschäumenden aber für Grundschüler geschriebenen Text, der die freie Marktwirtschaft als "sozialer" preist, ziemlich daneben finde.

Sonst meckerst du immer über die FDP und nun verlinkst du Texte, die mitten aus deren Hauptquartier gekommen sein könnten?

basti_79 12.06.2017 14:23

Zitat:

Zitat von Lupo (Beitrag 219708)
Weil ich einen wutschäumenden aber für Grundschüler geschriebenen Text, der die freie Marktwirtschaft als "sozialer" preist, ziemlich daneben finde.

Naja, wagen wir uns doch mal an den Systemvergleich. Der ist ja jetzt, in Schriftform, gefahrlos möglich.
  • "Liberalismus" (FDP) befürwortet Zwangsarbeit (Schule und SGB II)
  • "soziale Marktwirtschaft" (CDU & SPD) befürwortet Zwangsarbeit (Schule und SGB II)
Demgegenüber schreibt der Knilch ja nicht davon, dass er hysterisch werden würde, wenn man die Zwangsarbeit abschafft. Da würde ich jetzt erst einmal im Zweifel für den Angeklagten sprechen und sagen: Wenn jemand von "freiem Markt" spricht und dabei nicht ausdrücklich Zwangsarbeit in Schule und Sozialsystem einschließt, dann meint der das wohl auch noch nicht.


Zitat:

Sonst meckerst du immer über die FDP und nun verlinkst du Texte, die mitten aus deren Hauptquartier gekommen sein könnten?
Wie gesagt: bei der FDP steckt dahinter ja die rückhaltlose Befürwortung aller überkommenen Zwangsarbeitssysteme. Das ist übrigens keine Phrase, das kann man auf die Probe stellen. Einfach mal irgendsoeinen gesichts- und konturlosen Lackaffen am Infostand fragen, ob sich der freie Markt auch auf Menschenhandel erstrecken sollte, oder was der Unterschied wäre zwischen Zwangsarbeit und "freiwillig-glücklichen Schulbesuchen" oder "Maßnahmen zur Reintegration in die Gemeinschaft der Erwerbstätigen"...

Lupo 12.06.2017 16:59

Ich wundere mich, dass du Schule und Sozialsystem dem Markt zurechnest – ich würde das nicht tun.

Zitat:

Zitat von basti_79 (Beitrag 219723)
"Liberalismus" (FDP) befürwortet Zwangsarbeit (Schule und SGB II)

Wenn Schule und Sozialsystem dem markt zugerechnet werden, ist die FDP alles andere als liberal, wenn sie da mitmacht, da das (wenn man sie dem Markt zurechnet) ja Eingriffe in den Markt wären, was Liberale (im Sinne der „freien Marktwirtschaft“ ablehnen)


Zitat:

Zitat von basti_79 (Beitrag 219723)
"soziale Marktwirtschaft" (CDU & SPD) befürwortet Zwangsarbeit (Schule und SGB II)



Zitat:

Zitat von basti_79 (Beitrag 219723)
Demgegenüber schreibt der Knilch ja nicht davon, dass er hysterisch werden würde, wenn man die Zwangsarbeit abschafft.

Vielleicht ist der Knilch (so wie ich) gar nicht auf die Idee gekommen, dass man Schule und Sozialsystem dem Markt zurechnet.

Zitat:

Zitat von basti_79 (Beitrag 219723)
Da würde ich jetzt erst einmal im Zweifel für den Angeklagten sprechen und sagen: Wenn jemand von "freiem Markt" spricht und dabei nicht ausdrücklich Zwangsarbeit in Schule und Sozialsystem einschließt, dann meint der das wohl auch noch nicht.

Gut, spielen wir das Spiel mal mit.
Angenommen dieser Jemand ist dann gegen jegliche Eingriffe des Staates in den Markt, würde das ja bedeuten, dass es keine Schulpflicht mehr geben würde und leider auch kein Arbeitslosengeld und Sozialhilfe.

Und was meinst du was für tolle Arbeitsplätze entstehen zu grandiosen Löhnen, wenn sich der Staat aus dem Markt zurück zieht?

Ich sehe da üble Monopole kommen, miese Jobs zu ganz miesen Löhnen.

basti_79 12.06.2017 17:14

Zitat:

Zitat von Lupo (Beitrag 219727)
Ich wundere mich, dass du Schule und Sozialsystem dem Markt zurechnest – ich würde das nicht tun.

Warum nicht?
  • Das Sozialsystem ist hauptsächlich die "stille Reserve" bzw. "das Lumpenproletariat". Die Regierung drückt dadurch den Preis menschlicher Arbeitskraft. Wenn man einen Arbeiter rauswerfen kann, weil "irgendjemand" denselben Job für die Hälfte macht, wir der Arbeiter den Teufel tun, eine Lohnerhöhung zu verlangen oder gar Mitglied in einer Gewerkschaft zu sein.
  • Schule dient einzig der Vorbereitung auf "den Arbeitsmarkt" (den Sklavenmarkt). Eine Schule, deren "Abschluss" einem keine "Chancen" auf "dem Arbeitsmarkt" eröffnen würde, wäre sinnlos. Menschen, die sich weigern, "am Arbeitsmarkt teilzunehmen", werden als Parasiten beschimpft oder als Zersetzer.
Zitat:

Wenn Schule und Sozialsystem dem markt zugerechnet werden, ist die FDP alles andere als liberal, wenn sie da mitmacht, da das (wenn man sie dem Markt zurechnet) ja Eingriffe in den Markt wären, was Liberale (im Sinne der „freien Marktwirtschaft“ ablehnen)
Schule und Sozialsystem bestehen ausschließlich aus "staatlichen Eingriffen in den freien Markt". Es gibt, denke ich, in diesen beiden Subsystemen der Bundesrepublik, keine einzige Nische, die frei ist von Normen. Die meisten dieser Normen kann man ausserdem mit "Dienst nach Vorschrift/weiter wie bisher!" erschöpfend beschreiben.

Zitat:

Vielleicht ist der Knilch (so wie ich) gar nicht auf die Idee gekommen, dass man Schule und Sozialsystem dem Markt zurechnet.
Ja. Sollte man denn, oder sollte man nicht?

Zitat:

Gut, spielen wir das Spiel mal mit. Angenommen dieser Jemand ist dann gegen jegliche Eingriffe des Staates in den Markt, würde das ja bedeuten, dass es keine Schulpflicht mehr geben würde und leider auch kein Arbeitslosengeld und Sozialhilfe.
Korrekt. Schulpflicht ist kein freier Markt. Arbeitslosengeld und Sozialhilfe (beide Begriffe erschöpfen das gemeinte nicht) sind auch kein freier Markt.

Die FDP ist für Schulpflicht und gegen Arbeitslosengeld und Sozialhilfe. Mit den Argumenten:
  • Nur durch konsequent durchgesetzte Schulpflicht kann der freie Arbeitsmarkt garantiert werden
  • Sozialleistungen verzerren den freien Arbeitsmarkt unerträglich. Nur, wenn Arbeitslosen der Hungertod droht, kann man von einem wirklich freien Arbeitsmarkt reden
Das verbindende Element ist die Menschenverachtung, und SPD/CDU/Grüne teilen diese Ideologiekerne. Die Linken halten ihre neoliberalen Kettenhunde wenigstens bei der Frage des Sozialsystems noch zurück.


Zitat:

Und was meinst du was für tolle Arbeitsplätze entstehen zu grandiosen Löhnen, wenn sich der Staat aus dem Markt zurück zieht?
In welcher Form jetzt? Wenn er die Schulpflicht abschafft, oder wenn er das Sozialstaatsprinzip abschafft?

Wenn Du zwischen einem von beiden Elementen des Neoliberalismus wählen könntest, welches würdest Du zuerst abschaffen?

Meine Forderung, Zwangsarbeit sowohl im Zusammenhang mit Schule als auch im Sozialsystem abzuschaffen, erhalte ich aufrecht. Dir wird auffallen, dass das erst einmal Geist und Buchstaben der Verfassung entspricht, und dass die Forderung sich auch nicht in den Neoliberalismus einfügen lässt. Eine Ideologie ohne Zwangsarbeit (oder irgendwelche anderen Erpressungs- oder Nötigungsmechanismen) kann nicht kompatibel zum Neoliberalismus sein.

Zitat:

Ich sehe da üble Monopole kommen, miese Jobs zu ganz miesen Löhnen.
Kannst Du das ausführen?

Lupo 12.06.2017 18:10

Zitat:

„Je freier die Wirtschaft, umso sozialer ist sie auch.[51]“
Kannst du mir erklären, wie das funktionieren soll?

Frei bedeutet unter anderem: Keinen Mindestlohn, keine Arbeitnehmerrechte, keine Gewerkschaften und wenn man, wie du, das Sozialsystem auch als Teil des Marktes begreift, dann auch kein Sozialsystem mehr (also gar keines, nicht nur kein Hartz IV, sondern absolut keine staatlichen Zuwendungen).

Ich verstehe nicht, wie du glaubst, dass auf diese Weise irgendetwas sozialer wird.

Menschen wie Trump fangen bei der Idee an zu sabbern, mich gruselt das eher.

Aber vielleicht kannst du mir ja einen neuen Blick eröffnen und mich die soziale Seite dieses Alptraumes sehen lassen?


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