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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die neuen Rechten auf Abfangkurs


basti_79
30.06.2017, 13:57
Vielleicht habt Ihr neulich die ARD-Sendung "Sag's mir ins Gesicht" mitbekommen. Da hat der Chefredakteur der Tagesschau, Kai Gniffke, eine Stunde lang per Internet Fragen aus der breiten Masse der Zuschauer beantwortet, mit einem besonderen Fokus auf "Medienkritiker" - Ausdrücklich wurden auch Leute angesprochen, die z.B. auf der Website der Tagesschau hetzen würden. Meiner Meinung nach war der Versuch gelungen, Gniffke konnte die Fragen zur Zufriedenheit der Anrufer beantworten.

Paul Schreyer (https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwjfj5bxruXUAhWEPxoKHUP1APMQFggsMAE&url=http%3A%2F%2Fde.wikimannia.org%2FPaul_Schreyer&usg=AFQjCNFq8qMUaPb_kdlOLy5SiyILlNWpig) hakt da nach. Aus mir nicht verständlichen Gründen kapriziert er sich schon in der Überschrift auf die Sprachreglungen der Tagesschau. Erst einmal hat er da wohl falsche Vorstellungen, wie solche Sprachreglungen entstehen. Und dann müsste ihm doch klar sein, dass man solche Normen ganz einfach umpolen könnte, dass also die Nettowirkung vermutlich null ist.

Gniffke gibt sich die ein oder andere Blöße:

Wertende Beschreibungen gibt es nicht.

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Schreyer merkt immerhin noch das:

Die Nachfrage, worin für ihn der Unterschied zwischen "wertend" und "einordnend" bestünde, ließ Gniffke unbeantwortet."Wertend" hat eine deutliche emotionale Konnotation, "einordnend" die entgegengesetzte sachliche.

Dann geht er ins Extrem:

Der Slogan "Sag's mir ins Gesicht" hieße wohl besser: "Frag nicht weiter nach".Blödsinn. Man erkennt deutlich, dass Gniffke selten live auftritt, ansonsten hätte er sich eine Blöße wie die Obige nicht gegeben. Kein Grund, den Dampfhammer anzusetzen.

Eine kleine Perle für Lupo:

Solche fließenden Übergänge betonen auch die Fachbuchautoren Peter Linden und Christian Bleher. Für sie ist schon die übliche Unterscheidung von Nachricht und Meinung eine "künstliche Trennung".

Ein restriktives "Wording" wie heute hätte es aber nicht gegeben.Wohlgemerkt hat Gniffke nicht gesagt (und Schreyer hat nicht gefragt), wie eng diese Vorgaben sind, und was passiert, wenn jemand sie nicht einhält.

Wie üblich in dieser Szene ist der sprachliche Übergriff das Maß der Dinge. Passend dann auch, ihn auf die AfD anzusprechen.

Man kann Gniffke hier kaum anders verstehen, als dass es am Ende eben doch um das Einsortieren eines als "negativ" begriffenen Akteurs in eine Schublade geht.Ja ernsthaft? Der Chefredakteur der Tagesschau hat eine politische Meinung, und die kommt manchmal "zwischen den Zeilen" zum Ausdruck?

Der gesamte Prozess erscheint willkürlich, intransparent und weit weg vom öffentlich-rechtlichen Selbstverständnis.Jetzt wissen wir, welche Partei Schreyer im Herbst wählt.

Dieses Argument verwundert, da führende Medien ihre entsprechenden Richtlinien längst veröffentlicht haben.Bezeichnenderweise führen z.B. die Richtlinien der BBC (http://www.bbc.co.uk/academy/journalism/news-style-guide/article/art20131010112740749) nicht aus, wie man Baschar al-Assad tituliert. Das heißt, an der Stelle, an der Schreyer ein Fass aufmacht (die ARD würde ihn "Machthaber" nennen), wissen wir über die BBC überhaupt nichts. Nicht einmal, wie sie ihn üblicherweise titulieren. Offensichtlich meistens "Präsident (https://de.wikipedia.org/wiki/Baschar_al-Assad#Aufbau_zum_Nachfolger_seines_Vaters_.28ab_19 94.29)", aber ist das besser oder schlechter als "Machthaber"? Und warum? Ist da etwa keine Wertung inbegriffen?

Umso wichtiger erscheint eine Offenlegung solcher Anweisungen sowie eine kritische Debatte.Welches Ziel sollte denn eine solche kritische Debatte haben? Es wird deutlich. Was Schreyer nicht klar ist, ist, wie sehr man mit solchen Polemiken seine eigene politische Strategie entblößt.

https://www.heise.de/tp/features/Die-vertraulichen-Sprachregelungen-der-ARD-3758887.html

Venkman
30.06.2017, 14:51
Vielleicht habt Ihr neulich die ARD-Sendung "Sag's mir ins Gesicht" mitbekommen.

Leider Nein.


Da hat der Chefredakteur der Tagesschau, Kai Gniffke, eine Stunde lang per Internet Fragen aus der breiten Masse der Zuschauer beantwortet, mit einem besonderen Fokus auf "Medienkritiker" - Ausdrücklich wurden auch Leute angesprochen, die z.B. auf der Website der Tagesschau hetzen würden. Meiner Meinung nach war der Versuch gelungen, Gniffke konnte die Fragen zur Zufriedenheit der Anrufer beantworten.

Na, da ist doch (für die breite Masse) alles prima... und flugs kann wieder auf "Frauentausch", "Bachelor", "Deutschland sucht was weiss denn ich" umgeschaltet und das Gehirn ausgeschaltet werden ...;)

btw: Auf der "tagesschau" Seite wird gehetzt? Gibt es da konkretere Beispiele?

basti_79
30.06.2017, 20:44
Leider Nein.

https://www.tagesschau.de/inland/sags-mir-ins-gesicht-109.html
https://www.tagesschau.de/inland/sags-mir-ins-gesicht-105.html

Na, da ist doch (für die breite Masse) alles prima... und flugs kann wieder auf "Frauentausch", "Bachelor", "Deutschland sucht was weiss denn ich" umgeschaltet und das Gehirn ausgeschaltet werden ...;)Was für ein Programm würdest Du Dir denn wünschen? Eher Bachelor etc., wo dann die Leute einschalten, um abzuschalten, oder eher sowas, wie Gniffke und Reschke gemacht haben?

btw: Auf der "tagesschau" Seite wird gehetzt? Gibt es da konkretere Beispiele?Hinter den Links findest Du welche.