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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schätze aus Zaren-Wunderkammer


Acolina
24.01.2003, 17:31
...die folgende Ausstellung hört sich sehr interessant an, werde ich mir sicher ansehen, und natürlich stilecht Tee, Zuckerbrot und Wodka dazu genießen ;)

--> weitere Infos & interessante Links hier:

http://www.palastdeswissens.de/grafix/palastbanner.gif (http://www.palastdeswissens.de/palastdeswissens.htm)Schätze aus Zaren-Wunderkammer

Ausstellung "Palast des Wissens" im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund vom 25. Januar bis 21. April

Schiffe bauen, Zähne ziehen, Uhren reparieren - der russische Zar Peter der Große (1672-1725) hat sich für fast alles interessiert und wenig unversucht gelassen: Erstmals in Deutschland zeigt seit Freitag das Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte Schätze und Wunderwerke aus der Kunstkammer des Zaren Peter I.

"Peter war gierig auf alles Neue - im besten Sinne", erklärte Projektleiterin Brigitte Buberl. Rund 400 Exponate aus der Sammlung von kunst-, natur- und medizinhistorischen Wunderdingen der Kunstkammer und der Eremitage werden in der Schau "Palast des Wissens" bis zum 21. April präsentiert.

Das Baum-Monstrum
Vor allem alles Ungewöhnliche und Monströse interessierte den neugierigen Zaren. "Peter sammelte alles, was wichtig für ihn war und was monströs war", schilderte Buberl. Einer Legende zufolge fiel Peter am späteren Ort der Kunstkammer in St. Petersburg eine ungewöhnliche Kiefer auf, bei der ein Ast halbkreisförmig in den Stamm eingewachsen war - "ein Baum-Monstrum", rief der Zar aus. Der Stamm wurde Teil der Sammlung.

"Monströses" fand der Herrscher besonders in der Medizin und Anatomie: Nicht nur, dass der Zar selbst seine Untertanen von schmerzenden Zähnen befreite - die in der Sammlung gezeigt werden -, er war außerdem fasziniert vom menschlichen Körper und menschlichen Missbildungen: 1717 kaufte er den einzigartigen "Thesaurus Anatomicus" des niederländischen Arztes Frederik Ruysch - eine Sammlung von Präparaten menschlicher Organe und Körperteile. Darunter sind Präparate ungeborener Kinder mit Wasserkopf oder eine Missbildung mit zwei Gesichtern.

Astronomische Instrumente
Trotz seiner Gier sammelte Peter der Große zielsicher, kommentierte Buberl: "Es wurde sehr überlegt gekauft - etwa astronomische Instrumente von den ersten Meistern Europas."
In einer virtuellen Inszenierung sollen Besucher zudem einen Eindruck von einem zentralen Stück der Sammlung erhalten - dem damals größten Globus der Welt. In Schleswig-Holstein sei der Gottorfer Globus mit einem Durchmesser von 3,12 Metern 1650 bis 1654 gebaut worden, sagte Buberl. Per Handantrieb konnte der Globus um seine Achse gedreht werden, so dass Zuschauer im Inneren der Kugel den Eindruck gewannen, der Sternenhimmel drehe sich um sie.

Das Gold der Skythen
"Wichtig für die damaligen Fürsten war ein funktionierender Nachrichtendienst - nicht nur politisch, sondern auch geographisch: Viele Länder waren noch nicht erforscht", erklärte die Projektleiterin. 1728 entdeckte etwa der Kapitän Vitus Bering auf einer Expedition die nach ihm benannte Beringstraße zwischen Sibirien und Nordamerika. Gold, Schmuckstücke, Masken und indianische Federkleider für die Kunstkammer wurden mitgebracht. Gezeigt werden außerdem Stücke aus dem legendären Goldschatz der Skythen.

Vor fast zwei Jahren stand Russland mit Original-Exponaten aus dem legendären Bernsteinzimmer bereits im Mittelpunkt einer Schau des Dortmunder Museums. Die neue Ausstellung, die erstmals auch die Geschichte der Kunstkammer erzählt, werde in dieser Zusammensetzung von Dortmund wieder nach St. Petersburg gehen und dort anlässlich zum Jubiläum des 300-jährigen Stadtbestehens gezeigt werden. Von August an sei sie in Gotha zu sehen. Zu der Schau ist auch ein zweibändiger Katalog erschienen.

Zuckerbrot, Tee und Wodka
Der Bau der Kunstkammer Peters des Großen wurde 1718 begonnen, 1728 wurde ein Teil eröffnet. Neben der Sammlung, Andenken an das Leben des Zaren und einer Bibliothek befand sich dort die Werkstatt des Herrschers. Die Sammlung wurde kostenlos gezeigt, Besucher wurden sogar bewirtet, um sie "anzuheizen", sagte Buberl. Für die Frauen gab es Tee und Zuckerbrot, für die Männer Wodka.

Und die Tradition werde auch in Dortmund fortgesetzt, kündigte die Projektleiterin an. Zuckerbrot und Wodka gebe es im Museumscafé. Allerdings nicht mehr kostenlos.

[Thomas Strünkelnberg, dpa]