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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : berichte von geheimgängen


elwetritsch
27.07.2006, 23:46
hallo, immer wieder faszinierend sind überlieferungen von geheimen gängen zwischen zwei orten, was es im mittelalter wohl recht oft gab. oft wissen nur noch die alten auf den dörfern "etwas" darüber zu berichten. doch die alten verschwinden und immer mehr "stadtleut" ziehts aufs land, so dass diese legenden nach und nach verloren gehen.

so erzählten mir meine großeltern, welche es wiederum von den generationen vor ihnen erfuhren, von einem geheimen gang zwischen zwei klöstern im pfälzer wald. meine großeltern stammten aus hertlingshausen, wo es ein nonnenkloster gab. einige kilometer davon gab es das kloster höningen, ein männerkloster. so soll es sich zugetragen haben, dass durch diesen geheimen gang (wirklich mehrere kilometer !), nonnen und mönche sich gegenseitig treffen konnten. nun fiel höningen irgendwann in schutt und asche und auch das nonnenkloster wurde aufgegeben. bis heute kann man einige geschichten über die klöster und ihr umfeld erfahren und nachlesen - nicht aber über jenen geheimen gang, von dem nur alte einheimische "wissen". er soll entdeckt worden sein und bei seiner erforschung habe man sogar säuglingsleichen gefunden. anschliessend sei der stollen zugeschüttet worden, auf dass man ihn vergesse !
aber man schüttet einen kilometerlangen gang nicht einfach "schnell" zu. es ist zu vermuten, dass er noch existiert, und nur seine zugänge verschüttet wurden. doch wen soll man noch fragen ?

basti_79
28.07.2006, 01:06
Nun, Archäologische Methoden haben sich in solchen Fällen mehrfach bewährt. Allein die rein physischen sind schon beachtlich. So könnte man Infrarotfotos aus der Höhe anfertigen, oder den Boden mit Radar, mit Schall oder magnetisch untersuchen. Dann könnte man die (Ruinen der) Klöster untersuchen, in der Hoffnung, den Eingang zu finden. Oder mit Geologischen Methoden vorher eingrenzen, wo man suchen muß (Gesteinshärte, Grundwasser). Oder Quellenarbeit betreiben. Wenn es einen solchen Tunnel gegeben hat, wird er ganz sicher irgendwo erwähnt worden sein, fragt sich nur, wie lange man Lust hat, danach zu suchen.

Llewellian
28.07.2006, 03:32
Also... diese Gänge gibt es und gab es. Und sie hatten eine wichtige Funktion: Bei Belagerung eines Ortes konnte man über diese Gänge, welche oft an versteckten Plätzen an die Oberfläche führten, Nahrung, Waffen, etc. herbeischaffen.

Viele sind dokumentiert, andere nur noch Sagen, da diese längst eingestürzt sind.

Und selbst wenn man welche findet, ist es unter keinen Umständen ratsam, diese zu erkunden. Es besteht, falls noch nicht zusammengebrochen - höchste Einsturzgefahr.

Gibt immer wieder Berichte, das vorallem in mittelalterlichen Städten und Dörfern teilweise Hauswände wegsacken, weil die alten Stollen zusammenbrechen.

Es hat schon seinen Grund, das diese verfüllt werden, falls sie gefunden werden.

In manchen Orten allerdings werden diese abgesichert und heute noch benutzt. So ist zum Beispiel ein knapp 1000 Jahre alter Stollengang in Regensburg der jeweillige Notausgang zwischen zwei etwa 700m in der Altstadt auseinanderliegenden Kellerdiskos (dem ZapZarap und der Nightlounge).

Das mit den "Gängen" hat übrigens Methode und wird aus "verteidigungstechnischen Gründen" bis heute noch so gehandhabt, am berühmtesten sind wohl die Gänge aus dem Weissen Haus und andererseits aus dem Kreml in Moskau - das System des Fluchtganges hat sich ja auch seit über 2000 Jahren bewährt.

Und die "versteckten Gänge" unter dem Todesstreifen in Berlin sind ja auch bekannte Geschichte.

Und was die Grösse und Ausdehnung betrifft, da streiten sich Rom und Paris bis heute, wer die grössten Katakomben und Unterirdische Gangsysteme hat. Wobei hier auch Kairo mithalten kann, nur da sind die meisten miteinander verbundenen Gangsysteme und Nekropolen aufgrund des gestiegenen Grundwasserspiegels (bzw. hat sich der Boden von ganz Kairo "gesenkt") heute unter Wasser.

Übrigens kannst du auch viele dieser unterirdischen Gänge und Anlagen (so sie denn als "betretbar" erachtet werden in den meisten Städten und Dörfern besichtigen. In München über die Stadt buchbar, in Regensburg auch (dort Zugang am Neupfarrplatz zu den unterirdisch freigelegten Resten der Synagoge aus dem Frühmittelalter und den zugehörigen Tunneln), und die grossen Anlagen in Berlin und Hamburg hier:

http://www.unter-welt.de/

Infoline: 030 - 31 50 98 66

Termin:

Samstag, den 01.07.,05.08.,

02.09.,07.10.,04.11.

Uhrzeit: 14.00 Uhr

Zugangsort: Schönhauser Allee Ecke Saarbrücker Straße

Ohne Anmeldung,

Taschenlampe mitbringen,

festes Schuhwerk und pflegeleichte Kleidung

werden empfohlen

Preis: 9,00 € / Erm. 7,00 €

Der Verein behält sich vor, in seiner Tour auch andere Orte zu besuchen.

Sonderführungen nach Absprache möglich.

elwetritsch
30.07.2006, 00:01
hallo basti,
wenn es einen solchen gang gegeben hat, wird er sicher n i c h t erwähnt worden sein, da er inoffiziell, ja sogar verbotenerweise existierte. ein geheimer verbindungsgang zwischen geschlechtlich getrennten klöstern in dieser zeit ...
wenn getötete säuglinge dort bestattet (oder entsorgt ?) wurden, wäre das ein indiz für die geheimhaltung gegenüber der obrigkeit. die klöster unterstanden damals dem bischoftum speyer und das war was ganz hohes. wären sie offiziell angelegt gewesen, wären sie wohl hin und wieder inspiziert worden. aber einen kilometer langen stollen heimlich durch den wald zu graben, das erscheint fast unmöglich. wurzelwerk und beschränkte technische möglichkeiten dürften neben weiteren faktoren die arbeit sehr behindert haben. vielleicht waren teilabschnitte des ganges auch über der erde oder nur in überdeckte gräben verlagert. in jedem fall muss es diesen gang gegeben haben, denn die überlieferungen wurden sicher nicht aus der luft gegriffen.
nur, wer sollte heute danach suchen ? für technisch anspruchsvolles equipment muss im hintergrund auch ein entsprechendes öffentliches interesse stehen. und ob der kirche daran gelegen ist ??? wäre übrigens ein nettes neues thema: was wir heute alles wüssten, wenns die kirche nicht unter den teppich gekehrt hätte. ich hoffe, ich trete hier keinem frommen kirchgänger auf die füsse :-)