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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der Schachtürke von Wolfgang Ritter


HaraldL
26.03.2004, 20:02
Im Jahr 1769 hat der Erfinder Wolfgang Ritter einen angeblich schachspielenden Automaten am Hof der Kaiserin Maria Theresia in Wien vorgeführt. Allerdings kamen im Laufe der Zeit Zweifel auf, ob dieser Automat wirklich echt wahr. Viele Zeitgenossen glaubten, dass sich im Innern des Gerätes eine kleinwüchsige Person befand, woher auch der heute noch übliche Ausdruck "türken" für jemanden hereinlegen stammt.
War es mit der Technik des 18. Jahrhunderts wirklich möglich einen schachspielenden Automaten zu konstruieren? Ein Schachspiel ist schließlich kein deterministischer Prozeß wie der Lauf der Gestirne, sondern nimmt in Abhängigkeit von den Zügen des Gegners seinen Verlauf! Wie wusste eigentlich dieser Automat, wohin der menschliche Gegner seine Figuren stellte und wo seine Figuren standen? Wie wusste er, ob auf einen gegebenen Feld ein Bauer oder eine Dame steht?

El Chupacabra
27.03.2004, 10:23
Davon hab ich auch gehört und ich glaub, das wurde aufgedeckt, d.h. der Mann im Automat ist "aufgeflogen".

Zwirni
27.03.2004, 17:31
Der Schachtürke wurde nie als Täuschung entlarvt. Bis zu seiner Zerstörung Ende des 19. Jahrhunderts bei einem Brand in einem amerikanischen Lagerhaus konnte nie nachgewiesen werden, dass dort ein Mensch seine Finger im Spiel hat - im Gegenteil. Die gesamte Geschichte dieses Automaten spricht für seine echtheit und die echtheit seiner Funktionen.

Ich habe hierzu vor einiger Zeit mal einen kleinen, aber aufschlussreichen Artikel für meine Website verfasst. Leider ist dieser noch nicht online, aber ich glaube da dürften dann genug Fragen beantwortet werden - und manch einer staun dann über die technischen Raffinessen früherer Generationen ;)

Basilios
27.03.2004, 18:58
Seit dem 25.03.04 ist eine funktionstüchtige und detailgetreue Rekonstruktion dieses Geräts im Paderborner Computermuseum ausgestellt. Nichts mit geheimer Technologie, sondern ein im Kasten versteckter Spieler - zugegebenermaßen klingt diese Erklärung nicht ganz so reizvoll wie "geheime Super-Technologie im 18. Jahrhundert", was aber nichts an ihrem Wahrheitsgehalt ändert.

Zwirni
28.03.2004, 00:29
Nene, da war nicht mal ein "im Kasten versteckter Spieler" - der Schachtürke war der Höhepunkt einer lange andauernden Entwicklung von Automaten, heute gehen sie wohl als Maschinen oder Roboter durch. Angefangen hat das übrigens mit einem Kalender im 13. oder 14. Jahrhundert, der außer der exakten Uhrzeit auch das korrekte Datum und den Wochentag angezeigt hat.
Diese Funktionen wie auch beim Schachtürken beruhen auf einem ausgeklügelten System von Zahnrädern - mehr nicht. Kein Fleisch, kein Auge und keine menschliche Hand rührt da etwas an :) und ebenso wird es wohl auch bei dem Nachbau sein.

Basilios
28.03.2004, 11:45
Nein, beim Nachbau sitzt tatsächlich ein Mensch drin. Eine Uhr funktioniert auch viel einfacher. Wie sollte eine Maschine komplizierte Züge ausführen? Napoleon wollte die Maschine reizen, indem er unsinnige Züge machte - daraufhin fegte der Schachtürke die Figuren vom Tisch. So etwas kann nur durch menschliches Einwirken geschehen sein, andernfalls wäre es die erste künstliche Intelligenz der Welt. ;)

Die technische Leistung bestand in der Mechanik, die es ermöglichte, dass die Person im Inneren die Züge überhaupt ausführen konnte.

Hier (http://www.stern.de/computer-technik/technik/index.html?id=521974&nv=cp_L1_rt) ist ein Artikel vom Stern dazu.

Tim
28.03.2004, 19:31
Erst mal ist der Erfinder nicht ein gewisser Wolfgang Ritter, sondern Wolfgang von Kempelen. Aber das mit der Vorführung in Wien stimmt.
Kempelen hatte immer die besten Schachspieler von kleinem Wuchs für seinen Automaten ausgesucht. Der erste der es bewies, das ein Mensch den Automaten bediente, war der Dichter "Edgar Allan Poe". Hier mal eine zeitgenössische Darstellung vom Automaten. http://www.mysterien.org/schachautomat.jpg
Im übrigen wurden nicht alle Türen des Tisches gleichzeitig geöffnet.

NoFX_4_ever
07.04.2004, 13:25
neulich in galileo wurde die sache aufgedeckt
der automat hatte zwei kammern.
im automat war ein mensch, der immer wenn eine von den beiden geöffnet wurde in die andere ging.
jedenfalls war in dem automat ein mensch

Desert Rose
21.06.2004, 19:46
Ein Thema heute im Galileo ist heute:
Galileo vom 21. Juni 2004

Der Schachtürke


Rund 70 Jahre rätselte die feine Gesellschaft Europas im 18. Jahrhundert über das Geheimnis des damals wohl berühmtesten Automaten Europas: des Schachtürken. Der ziemlich grimmig blickende Schachspieler aus Holz schlug fast jeden Gegner schachmatt. Früh kamen Gerüchte auf, ein Zwerg sitze im Inneren. Doch sah man nur leere Hohlräume und ein Gewirr von Zahnrädern und Walzen im Inneren der Maschine. Und wie hätte ein Mensch im Inneren verfolgen können, was draußen passiert? Doch wie ist das Rätsel des ersten Schacomputers der Welt zu erklären? Galileo lüftet das Geheimnis des legendären "Schachtürken".

Wer den Schachtürken mal in echt sehen will, der kann das in Paderborn tun. Denn ein Nachbau des Schachautomaten steht dort im Heinz Nixdorf Forum. Dort gibt es auch die größte Sammlung von historischen Computern von den Anfangszeiten bis jetzt. Die Ausstellung ist dienstags bis freitags von 9 - 18 Uhr geöffnet und samstags, sonntags und feiertags von 10 - 18 Uhr.

Preise:
Erwachsene - 4 Euro
Familienkarte - 8 Euro

Weitere Informationen zum Schachtürken hier:

http://www.hnf.de
Quelle (http://www.prosieben.de/wissen/galileo/themen/2004-06-21_01/)


Für die die es verpasst haben, die Sendung wird morgen früh um 7:55 Wiederholt. :D

SAB
28.06.2004, 15:43
Auch wenn einer im inneren der Maschine saß, es ist dennoch eine Meisterleistung der Technik! Alleine schon die Gedankengänge die man haben muss um so ne komplexe Maschine zu bauen müssen enorm sein!
Also :respect: von mir!

Tim
28.06.2004, 18:23
Original von SAB
Auch wenn einer im inneren der Maschine saß, es ist dennoch eine Meisterleistung der Technik! Alleine schon die Gedankengänge die man haben muss um so ne komplexe Maschine zu bauen müssen enorm sein!
Also :respect: von mir!

Stimmt, allerdings nur für die damalige Zeit.