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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Externsteine


viajero
01.09.2003, 02:04
Zitat

Bei Horn-Bad Meinberg (Lippe) im südöstlichen Teutoburger Wald stehen die Externsteine, eine Gruppe von 13 Sandsteinfelsen inmitten einer sonst felsenlosen Umgebung.
Die bis 37,5 m hohen bizarren Felsformationen sind sowohl Natur- als auch Kulturdenkmal und ziehen jährlich bis zu 650.000 Besucher an.


Nach neuesten Erkenntnissen sollen die Externsteine eine vorchristliche Kultstätte mit einem Alter von mehreren 100000 Jahren sein. Nachdem sie germanisches Heiligtum waren, wurden sie im Mittelalter zum Walfahrtsort. Einer Inschrift nach wurde die Grotte im westlichen Felsen Anfang des 12. Jh. als christliche Kapelle vom Bischof von Paderborn geweiht.
Kunsthistorisch bedeutsam ist die links vom Eingang in den Felsen eingehauen Reliefdarstellung, wobei es sich um Deutschlands ältestes erhaltenes Steinbild handeln soll. Das Relief soll die Kreuzabnahme darstellen, es gibt aber auch die Meinung es würde sich um ein Einweihungsbild der Templer handeln.

Seit der New Age-Bewegung und dem Esoterik-Boom trifft sich auch heute wieder eine bunte Mischung aus Esoteriker, Hexen, Druiden, keltischen Glaubensgemeinschaften, aber auch Neofaschisten bei den Externsteinen, um die Sonnenwende zu feiern. Gerade hier wird gefeiert, da die Externsteine angeblich eine germanisch-naturreligiöse Stern-Sonnenwarte und ein Kult-Kraftplatz sein sollen. Germanischen Götter, wie Wotan und Freya werden verehrt.

Die Präsenz gerade der nationalsozialistischen Gruppen läßt diese Feier in einem schlechtem Licht erscheinen. Darüber, daß der Inhalt neuheidnischer Lehren oft auf völkisch-rassistischen Ideologien der Jahrhundertwende und den Nationalsozialismus zurückgeht, müssen sich auch Anhänger, die kein rechtes Gedankengut verbreiten wollen, bewußt sein.


http://www.paranormal.de/erde/extern.html

http://www.externstein.de/

Wer war schon einmal bei diesen Steinen ?

Dragonhoard
01.09.2003, 13:29
Also die ALtersangabe von mehreren 100.000! Jahren halte ich doch für masslos übertrieben. Würde mich interessieren wie man auf solche Zahlen kommt!

Nik
02.09.2003, 14:35
Original von Dragonhoard
Also die ALtersangabe von mehreren 100.000! Jahren halte ich doch für masslos übertrieben.

Zumindest die letzte Eiszeit dürfte da noch kräftig mitgemischt haben.

Acolina
02.09.2003, 18:51
Original von viajero
Wer war schon einmal bei diesen Steinen ?
Einmal?? ;) ....eher unzählige... ;)

Also für die Altersbestimmung "mehrere 100.000 Jahre" kenne ich auch keinerlei Belege. Wäre interessant, woher der Autor diese Zeitangabe hat.

Soweit mir bekannt, stammen die ältesten Funde, Steinwerkzeuge und Feuerstein-Abschläge, an den Externsteinen aus der älteren Steinzeit und werden um 9000 v. Chr. datiert.

Dann folgt eine lange zeitliche Lücke, aus der zumindest mir keine Funde bekannt sind.

Nach Untersuchungen des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Kernphysik müssen um 1000 v. Chr. Feuer (mit mind. 500°C) in der Kuppelgrotte gebrannt haben. Allerdings soll diese Untersuchung recht große Fehlerquoten (möglicherweise bis zu 1000 Jahren) aufweisen. Eine Untersuchung mit der verbesserten Thermolumineszenz-Analyse (Abweichung angeblich max. 10 %) steht bisher noch aus - wie allgemein eine ordentliche archäologische Untersuchung der Steine und Umgebung überhaupt. (Interessant sind auch die Schriften des Steinmetz Ulrich Niedhorn - erschienen im Verlag Haag und Herchen - zu den Externsteinen, insbesondere dem Relief und weiteren Bearbeitungsspuren.)

Die einzigen mir bekannten Ausgrabungen fanden 1934/35 statt (Prof. Julius Andree, die Kopie des Grabungsberichts habe ich hier auch in einer meiner vielen Bücherkisten ;), leider gerade nicht greifbar), brachten aber wohl nicht das vom NS-Regime gewünschte Ergebnis (s. auch Uta Halle: 'Die Externsteine sind bis auf weiteres germanisch!' (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/389534446X/bibliothekdesgre) - Prähistorische Archäologie im Dritten Reich). Die Funde befinden sich im (Archiv des) lippischen Landesmuseum Detmold, angeblich sollen einige auch verschwunden sein.

Nach dem Ende des "Dritten Reichs" scheinen die Externsteine für Archäologen anscheinend tabu zu sein. Vielleicht ändert sich ja daran nach den Funden der immerhin 3600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra und dem ja kürzlich entdeckten noch viel älteren (ca. 5000 v. Chr.) Sonnen-Observatorium bei Goseck etwas.

Diese belegen ja schon sehr frühe astronomische Beobachtungen auch hierzulande - und dass auch die Externsteine astronomisch genutzt wurden, darauf deuten ja z.B. das so genannte Sazellum, aber auch diverse Anlagen der näheren Umgebung (z.B. Falkenstein) hin.

Durch die Externsteine hindurch führte übrigens eine uralte Fernverbindung ("Hellweg", ehemalige Reichsstraße 1, heutige (verlegte) Bundesstr.1, bis - ich glaube - in die 50er Jahre soll sogar noch eine Straßenbahnlinie dort durch geführt haben) von Aachen bis nach Berlin und dort weiter gen Osten. Schon römische Legionen und auch Napoleon haben diese genutzt.

In vor- und frühgeschichtlicher Zeit verlief hier eine alte Heer- und Handelsstraße als Kammweg über das Eggegebirge (Eggeweg, übrigens sehr schöne Wanderstrecke ;) - Teilstrecke des europäischen Fernwanderwegs Nr. 1 Nordsee - Bodensee - Mittelmeer), die im Süden zum Tal der Diemel und zur alten sächsischen Eresburg (alternativ-geschichtlich auch sehr interessant ;) ), dem heutigen Obermarsberg führt und an deren Strecke so manche alte Kultstätte, Wallburg etc. liegt.

Verlässt man nun mal das Gebiet der Schulwissenschaft und begibt sich auf grenzwissenschaftliche Pfade, sind die Externsteine ein kleines Eldorado ;) Geomantisch sind sie interessant, es finden sich - vermutlich - megalithische Großsteinskulpturen (beschrieben von Dr. Neumann-Gundrum) usw. Es gibt auch diverse interessante Deutungsversuche (s. Efodon (http://www.efodon.de/html/archiv/geschichte/geise/ex.pdf) und die Externsteine als Nachrichtenstation), manche driften allerdings auch in recht wilde Spekulationen und so manches leider auch in die Ecke "braune Esoterik" ab.

Aber ich würde sagen, unbedingt mal selbst hinfahren und das Besondere dieses Ortes spüren, möglichst nicht am Wochenende, wenn sich da für meine Verhältnisse ;) viel zu viele tummeln ;)

Acolina
02.09.2003, 21:22
Ich habe mal ein paar Bilder ausgegraben... ;)

Beispiele der von Dr. Elisabeth Neumann-Gundrum (Marburg) angeführten Groß-Skulpturen an der Externsteinen, der so genannte "Rufer", der jeden, der vom Parkplatz hin zu den Steinen wandert, mit erhobener Hand grüßt ;)
(Wie gut diese Bilder an Ort und Stelle zu sehen sind, hängt sehr vom Stand der Sonne ab, insgesamt hab ich die Erfahrung gemacht, dass sie - besonders auf Fotos - besonders gut bei bedecktem Himmel hervortreten.)

http://forum.grenzwissen.de/postingimage/esteine/rufer.jpg

http://forum.grenzwissen.de/postingimage/esteine/rufer2.gif

Der "Hängende", wobei wohl natürliche Gegebenheiten am Stein genutzt und etwas ergänzt wurden:

http://forum.grenzwissen.de/postingimage/esteine/haengende.jpg

Von den einen wird er als "Jesus am Kreuz" gedeutet, von anderen als Prometheus (http://www.sungaya.de/schwarz/griechen/prometheus.htm) (der an einen Fels gekettet war und dem ein Adler täglich die nachwachsende Leber anfraß, ca. in Höhe der Leber gibt es beim "Hängenden" ein rundes Loch, für die einen der Jesus-, für die anderen der Prometheusbeweis ;) ) oder Wotan / Odin (http://www.sungaya.de/schwarz/germanen/odin.htm) gedeutet ("Ich weiß, dass ich hing am windigem Baum neun Nächte lang, mit dem Ger verwundet...").

Das "Kreuzabnahme-Relief":

http://forum.grenzwissen.de/postingimage/esteine/abnahme.jpg

Selbst hier auf dem Foto ist gut zu erkennen, dass der untere Teil des Bildes deutlich verwitterter (älter) erscheint. Im Verhältnis zum oberen Teil des Bildes mit der Kreuzabnahmeszene springt der untere auch weiter vor, worauf u.a. auch eine Annahme beruht, dass im oberen Teil ein älteres Bild weggeschlagen und dann durch ein neues ersetzt wurde. Den unteren Teil ließ man evtl. bestehen, weil sich die beiden von der Schlange (Drachen) umschlungenen Gestalten als Adam und Eva deuten ließen.

Der "Stuhl" im oberen Teil des Bildes wird auch als umgebogene "Irminsul (http://www.sungaya.de/schwarz/germanen/irminsul.htm)" gedeutet.